Oberwart

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Oberwart ist mit ca. 7.500 Einwohnern die größte Stadt des Südburgenlandes und hat im Laufe der letzten Jahrzehnte an wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen. Die Bewohner der Stadtgemeinde und auch die zahlreichen Gäste genießen hier ein vielfältiges Zusammenleben. Oberwart hat sich als Wirtschaftsstandort, Messe- und Einkaufsstadt, aber auch als Schul- und Sportstadt einen Namen gemacht. Die Stadt ist Heimat für deutsch, ungarisch und kroatisch sprechende Bürgerer und Bürgerinnen sowie für die Angehörigen der Volksgruppe der Roma. Das Gemeindegebiet umfasst die zwei Ortschaften Sankt Martin in der Wart und Oberwart.

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Geschichte von Oberwart:

Von der urkundlichen Erwähnung bis zur Gründung des Burgenlandes
1327 wurde Oberwart als Grenzwächtersiedlung des ungarischen Gyepusystems erstmals urkundlich erwähnt. Während der Reformation wurde fast die gesamte Bevölkerung protestantisch. Die Reformierte Pfarrgemeinde Oberwart wurde durch den Ödenburger Landtag von 1681 zur Artikulargemeinde erklärt, sodass sich in Oberwart die einzige geduldete protestantische Kirchgemeinde des heutigen Österreich befand.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zum Königreich Ungarn. Seit 1898 durfte aufgrund der Standardisierung der geographischen Namen nur der ungarische Ortsname Felsoor verwendet werden.

Oberwart als Ort religiöser Vielfalt
Oberwart stellte in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit im südlichen Burgenland dar. Während die anderen Ortschaften in der Umgebung Teil des Herrschaftsgebietes der Familie Batthyány waren, lebten in Oberwart freie Bauern. Sie galten als die Nachkommen jener ungarischen Grenzwächter ("Warte"), welche der Stadt und der Region ("Die Wart") ihren Namen gaben. Die Siedlung bestand aus dem "Obertrumm" (ungarisch Felszeg) und dem "Untertrumm" (Alszeg); im Zwischenraum, der heute das Stadtzentrum bildet, bauten in weiterer Folge deutschsprachige Händler, Gewerbetreibende und Beamte ihre Häuser bzw. arbeiteten in den öffentlichen Gebäuden, die dort errichtet wurden.

Eine weitere Besonderheit waren die vier Konfessionen, die im Laufe der Zeit entstanden. Im Obertrum bildete sich um 1600 mit der Reformierten Pfarrgemeinde Oberwart die älteste protestantische Kirchengemeinde in Österreich. Im Untertrum hingegen siedelten mehrheitlich katholische Bauern. Dazu kamen Angehörige der Evangelischen Kirche AB, und nach der Ansiedlung der ersten Juden entstand im Laufe eine Israelitische Kultusgemeinde.

Wann sich die ersten Juden in Oberwart niederließen, ist nicht genau nachweisbar. In statistischen Aufzeichnungen über die jüdische Bevölkerung, den "Conscriptiones Judaerum", wurde zum ersten Mal 1822 ein jüdischer Bewohner erwähnt. Diese ersten Juden stammten aus der jüdischen Gemeinde Schlaining, die ins wenige Kilometer entfernte Oberwart umzogen.

Um 1850 lebten vierzehn jüdische Mitbürger in Oberwart. Ihre Zahl steigerte sich in den Jahren bis 1900 auf 100 Menschen. Ein wichtiger Grund dafür war die Erhebung Oberwarts 1841 zum Markt. Während alle anderen jüdischen Gemeinden von 1900 bis 1934 einen Rückgang bei der Bevölkerungszahl verzeichneten, stieg hingegen die jüdische Einwohnerzahl von Oberwart weiterhin. Ein Großteil dieser Menschen stammte aus der Muttergemeinde Schlaining, die wegen der dortigen beengten Verhältnisse und der geringen Verdienstmöglichkeiten in das aufstrebende Oberwart übersiedelten.

1927 erließ die Bezirkshauptmannschaft einen Bescheid, mit dem die bisherige Filialgemeinde Oberwart zu einer selbständigen Kultusgemeinde umgewandelt wurde. Im August 1929 erfolgte von Behördenseite die Auflösung der Schlaininger Kultusgemeinde, während Oberwart schließlich am 23. Mai 1930 offiziell von der Bezirkshauptmannschaft zur Israelitische Kultusgemeinde Oberwart/Felsöör erhoben wurde.

Anders als in vielen europäischen Städten und Dörfern gab es in Oberwart kein Ghetto, sondern die jüdischen Bewohner lebten verstreut in der Siedlung, meist jedoch entlang der Hauptstraße. Dies mag unter anderem dadurch begründet sein, dass die meisten Juden erst zu einer Zeit nach Oberwart kamen, als sie rechtlich bereits allen anderen Bürgern gleichgestellt waren. Die Tatsache, dass vier Konfessionen friedlich zusammenlebten, zeugte aber auch von einer gewissen Toleranz der Oberwarter gegenüber Mitbürgern mit einer anderen Religion bzw. Sprache. So wurden die jüdischen Kinder in der evangelischen Schule unterrichtet, und es gab auch im Alltag viele Berührungspunkte zwischen Juden und Nichtjuden.

Gründung des Burgenlandes
Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 der Republik Österreich zugesprochen.

Eine Fußnote der Landnahme des Burgenlandes stellte die Durchfahrt von Kaiser Karl I. durch Oberwart am 27. März 1921, dem Ostersonntag, dar. Karl I. war inkognito in der Begleitung des Rotenturmer Grafen Erdody auf einem vom Pinkafelder Gastwirt Lehner geliehenen Pferdefuhrwerk zu seinem ersten Restaurationsversuch nach Ungarn unterwegs, der aber scheiterte. In seinen Aufzeichnungen über diese Reise schrieb der Kaiser, dass sein Wagen in Oberwart wegen der Auferstehungsprozession anhalten musste. Die Passagiere stiegen aus und knieten vor der Prozession nieder, bevor die Reise weiterging.

Um die Übergabe der westungarischen Dörfer an Österreich zu verhindern, bildeten sich im ganzen Land Freischärlergruppen, bei denen aber Angehörige, die aus den betroffenen Gebieten selbst stammten, eher die Ausnahme darstellten. In Oberwart hatte das I. Freischärlerkorps unter dem Kommando von Oberleutnant Arpad Taby seinen Kommandositz. Als die österreichische Gendarmerie am 28. August 1921 versuchte, mit 11 Kolonnen das Burgenland zu besetzen, wurde die für Oberwart vorgesehene Kolonne 7 vor Pinkafeld in ein Gefecht mit Freischärlern verwickelt, bei dem es Verletzte auf beiden Seiten sowie zwei Tote auf ungarischer Seite gab. Auch die Kolonne 8, die von Hartberg kommend über Markt Allhau nach Oberwart vorrücken wollte, wurde bereits kurz nach dem Grenzübertritt angeschossen und musste ebenfalls umkehren.

Am nächsten Tag hatten sich die ungarischen Kräfte nach Oberwart zurückgezogen, und so konnten die beiden Gendarmeriekolonnen ihren Einmarsch erneuern. Doch am Ortseingang von Oberwart war wiederum Schluss; denn laut Zeitungsberichten hatten sich dort mehrere Hundert Freischärler unter dem Kommando von Thomas Erdody, jenem Rotenturmer Grafen, der Kaiser Karl I. einige Wochen vorher begleitet hatte, versammelt. Bei dem sich nun entwickelnden Gefecht wurde ein österreichischer Gendarm schwer verwundet, worauf sich die Gendarmerie wieder in die Steiermark zurückzog.

Die Freischärler beherrschten daraufhin wieder das Gebiet bis zur steirischen Grenze und riefen unter ihrem Anführer Pál Prónay am 4. Oktober in Oberwart sogar einen Operettenstaat mit dem Namen Lajtabánság/Leitha-Banat aus. Durch das Protokoll von Venedig verpflichtete sich Ungarn schließlich endgültig, das Burgenland zu übergeben. So konnte die Landnahme durch das Bundesheer in der Zeit vom 25. bis 30. November ohne Probleme erfolgen. Bereits am 26. November dieser Landnahme marschierten Einheiten der österreichischen 4. Brigade des Bundesheeres von Pinkafeld und Markt Allhau kommend in Oberwart ein. Oberwart gehörte nun ab 26. November zum neuen Bundesland Burgenland.

Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Konfessionen bekam die ersten Risse, als nach der Landnahme des Burgenlandes sich eine deutschsprachige Verwaltungselite ansiedelte. Diese Personengruppe, die Jahre später die Keimzelle der NSDAP in Oberwart bildete, hatte nicht nur mit den Juden ein Problem, sondern vor allem mit der ungarischen Volksgruppe. Da viele jüdische Bewohner Oberwarts sich Ungarn verpflichtet fühlten, wurden sie von den angesiedelten Verwaltungsbeamten oft mit einer ungarischen Elite gleichgesetzt. Die Risse machten sich zuerst in der Vereinslandschaft von Oberwart bemerkbar, weil auf einmal Sprache und Religion zu Aufnahmekriterien erklärt wurden und es dadurch zu Spaltungen bzw. Neugründungen diverser Vereine kam.

Am 1. Februar 1936 vermeldete die Zeitung Burgenländisches Volksblatt, dass in Oberwart eine Gruppe von Personen versucht hatte, eine nationalsozialistische Untergrundzelle zu gründen. Die Männer waren ausgeforscht und des Vergehens der Geheimbündelei für schuldig befunden worden.

Die Folgejahre mit ihrer tristen wirtschaftlichen Situation in Österreich führten zu einem Erstarken der nationalsozialistischen Bewegung. In einer Zeit, in der Bundeskanzler Kurt Schuschnigg um die staatliche Eigenständigkeit rang (Berchtesgadener Abkommen), fand bereits am 27. Februar 1938 in Oberwart eine Kundgebung der Nationalsozialisten mit 8.000 Teilnehmern statt. Zu einer zweiten noch größeren Veranstaltung am 11. März kamen sogar 14.000 Teilnehmer aus dem Ort und den umliegenden Dörfern. In der Nacht vom 12. auf 13. März wurde schließlich der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich vollzogen. Das Burgenland wurde aufgeteilt, und Oberwart wurde zum ersten Mal in seiner Geschichte Teil der Steiermark. 1939 wurde Oberwart zur Stadtgemeinde erhoben.

Ende März 1945 erreichten die ersten Einheiten der Roten Armee die Reichsgrenze bei Rechnitz in der Nord-Ost-Ecke des Bezirkes Oberwart. Nach einigen Tagen heftiger Grenzkämpfe traten am 5. April die Schützendivisionen der 26. sowjetischen Armee zur Eroberung der Nordhälfte des Bezirkes an. Da sich auf deutscher Seite nur mehr die Reste einzelner Alarmverbände des Wehrkreises XVIII befanden, besetzten am Abend des gleichen Tages Einheiten des XXX. Schützenkorps kampflos Oberwart. Es kam, wie es für diese Phase des Krieges üblich war, zu den bekannten Begleiterscheinungen wie Vergewaltigungen und Plünderungen.

Durch den Angriff der 26. Armee wurde die Besatzung von Rechnitz, das SS-Panzergrenadier-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 11, von dem Rest der deutschen Truppen abgeschnitten. Sie versuchte daher, die neuen deutschen Linien an der steirischen Grenze zu erreichen. Dazu musste das Bataillon das 2 Kilometer breite Pinkatal nördlich von Oberwart in Richtung Westen überqueren. Von drei Seiten beschossen – unter anderem musste ein Flankenangriff aus Oberwart heraus abgewehrt werden – gelang es dem Bataillon, die Waldgebiete rund um Buchschachen zu erreichen und am Morgen des 8. April schließlich die eigenen Linien im Lafnitz-Tal.

Im Laufe der nächsten Wochen wurde die Stadtgemeinde Fronthinterland, während in der Ost-Steiermark und an der steirisch-burgenländischen Grenze die Kämpfe weiter tobten. Etwa 400 Soldaten der Roten Armee, welche in diesen Kämpfen fielen, wurden in Oberwart auf dem neu errichteten sowjetischen Soldatenfriedhof begraben.

Oberwart besitzt den einzigen erhaltenen jüdischen Friedhof im Burgenland, dessen Grabsteine nicht hebräisch beschriftet sind. In der Opferdatenbank des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes finden sich die Namen von 24 Personen jüdischer Herkunft, die in Oberwart entweder lebten oder dort geboren wurden. Sie alle sind dem Holocaust zum Opfer gefallen, die meisten von ihnen kamen im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben, einige in den KZs Buchenwald, Treblinka und Theresienstadt; ein 12-jähriger Junge wurde vermutlich in Maly Trostinec erschossen. Die Datenbank enthält ferner die Namen von 11 Männern, welche der Volksgruppe der Roma angehörten und zwischen 1940 und 1942 in den Konzentrationslagern Mauthausen und Dachau ums Leben kamen. Die Namen von 17 weiteren Angehörigen der Volksgruppe der Roma, darunter viele Frauen, welche hauptsächlich 1943 ihr Leben verloren, finden sich in der Opferdatenbank von Auschwitz.

Während des Krieges bildete sich eine Widerstandszelle im Bezirk, der auch einige Oberwarter angehörten. Nachdem diese verraten worden war, erfolgte die Aburteilung durch ein Volksgericht in Graz. Die beiden Oberwarter Widerstandskämpfer Alexander Heigl und Joseph Seper wurden dabei zum Tode verurteilt und 1943 in Wien hingerichtet.

1995 Das Attentat von Franz Fuchs
Am 5. Februar 1995 wurden bei Oberwart die vier Roma Peter Sárközi, Josef Simon, Ervin und Karl Horvath durch eine Rohrbombe des Briefbombenattentäters Franz Fuchs getötet. Sie hatten versucht, eine Plakette mit rassistischen Beschimpfungen ("Roma zurück nach Indien"), die an der Bombe angebracht war, zu entfernen. Die Morde wurden literarisch durch Stefan Horvath sowie Elfriede Jelinek (in ihrem Stück Stecken, Stab und Stangl) verarbeitet.

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Wissenswertes

Gemeindekennziffer: 10917
Einwohnerzahl (Stand 01/2017): 7.494
Fläche: 36,47km²
Seehöhe: 315m ü.A.
Postleitzahlen: 7400
Vorwahl: 03352 (+433352)

Wappen

Wappen OberwartIn silbernem Schild ein blau gekleideter Krieger – Grenzwächter – mit schwarzer Mütze und ebensolchen Stiefeln, in der Rechten eine schwarze Streitaxt, die Linke an der Hüfte; Leibrock, Hose und Mütze mit goldener Verschnürung versehen, letztere außerdem mit einer blauen Feder. Der Krieger wird von zwei an die Seitenränder gelehnten schwarzen Felsen begleitet, auf denen ein schwarzer Wachtturm mit zwei Zinnen und Spitzdach steht.

Einige historische Ansichten rund um Oberwart.

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1327 wurde Oberwart als Grenzwächtersiedlung des ungarischen Gyepusystems erstmals urkundlich erwähnt. Während der Reformation wurde fast die gesamte Bevölkerung protestantisch. Die Reformierte Pfarrgemeinde Oberwart wurde durch den Ödenburger Landtag von 1681 zur Artikulargemeinde erklärt, sodass sich in Oberwart die einzige geduldete protestantische Kirchgemeinde des heutigen Österreich befand. Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zum Königreich Ungarn. Seit 1898 durfte aufgrund der Standardisierung der geographischen Namen nur der ungarische Ortsname Felsoor verwendet werden.

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