Cookie Consent by Privacy Policies Generator website

Die Bundeshauptstadt

Person - Anton Dengler

Anton Dengler, Brauereibesitzer in Jedlesee (Jedleseer Brauerei), * 27.01.1838, † 09.06.1900, Bestattungsdatum: 11.06.1900, zuletzt wohnhaft: 21., Pragerstraße Nr. 33.
Anton Dengler war ein Enkel des Jedleseer Brauereibesitzers Anton Bosch beziehungsweise der Sohn des Brauereibesitzers Franz Dengler und der Theresia Bosch.

Ehrungen:
Anton-Dengler-Gasse (21., Großjedlersdorf, Jedlesee), benannt am 23.03.1909 nach dem Großjedlersdorfer Brauereibesitzer Anton Dengler, vorher Bräuhausgasse.
Denglerpark (21.), benannt am 28.03.1985 nach der Bierbrauerfamilie Dengler (Johann Franz Dengler, Sohn Anton Dengler und Enkel Rudolf Dengler).

Illustrirtes Wiener Extrablatt vom 10.6.1900, Seite 3: Selbstmord eines Millionärs. Aus Furcht vor Erblindung. (Originalbericht des Ill. Wr. Extrablatt.) Ist Jedlesee hat gestern ein vielfacher Millionär, der Brauhausbesitzer Anton Dengler, seinem Leben ein Ende bereitet, indem er sich am Fensterkreuze in seiner Wohnung erhängte. Der 62jährige Mann war seit einem Jahre ungefähr augenleidend, und die Furcht, zu erblinden, hat ihn lebensüberdrüssig gemacht. Herr Anton Dengler war Besitzer der Brauerei in Jedlesee, eine der ältesten Brauereien in Oesterreich. Dieselbe war von dem Stiefvater Dengler's, Herrn Bosch, gegründet und zu einer solchen Höhe emporgebracht worden, daß sie in den Sechziger-Jahren unter die ersten Brauereien unserer Monarchie rangirte. Herr Bosch hatte seinen Stiefsohn Anton Dengler zum Brauereigewerbe erzogen, und nach­ dem dieser in Deutschland in dem berühmten Brauhause Sedlmayer, in England und Frankreich conditionirt hatte, wurde ihm die Leitung des Jedleseer Brauhauses ganz übertragen. Herr Bosch zog sich in's Privatleben zurück und als er kurze Zeit darauf starb, wurde Herr Anton Dengler der Erbe von vielen Millionen. In seinem Fache war Herr Dengler als äußerst tüchtig bekannt, doch war er sehr conservativ und Neuerungen auf technischem Gebiete nur schwer zugänglich. Er weigerte sich immer entschieden, am Export theilzunehmcn, er wollte stets nur so viel Bier produciren, als er innerhalb der Monarchie absetzen konnte, und deshalb wurde die Jedleseer Brauerei von anderen Etablissements überflügelt, wenn auch Herr Dengler seinem Unternehmen stets den guten alten Ruf zu erhalten wußte. Während seiner Studienreisen, welche er durch die großen Brauereien Deutschlands gemacht hatte, lernte er in München die Tochter des weltbekannten Brauhausinhabers Pschorr, nach welchem das Pschorrbräu benannt ist, kennen und vermälte sich mit ihr. Der glücklichen Ehe entsprossen zwei Kinder, ein Sohn Rudolph, welcher vor einem halben Jahre die Brauerei seines Vaters übernommen hat, und eine Tochter, welche bereits verheiratet ist. Herr Dengler bewohnte eine an das Brauhaus angebaute Villa in der Pragerstraße Nr. 33 in Jedlesee. Die Wohnräume sind äußerst elegant und vornehm eingerichtet, aber trotz seines großen Reichthums lebte Herr Dengler in bürgerlich bescheidener Weise. Nie sah man große Gesellschaften bei ihm, nur im kleinen Freundeskreise befand sich der Mann wohl und der sehr intelligente Mann, welcher viel gereist war und trefflich zu erzählen verstand, war ein sehr angenehmer Gesellschafter. Er war auch ein großer Wohlthätcr der Armen und Nichts konnte ihn in bessere Stimmung versetzen, als wenn er ein wohlthätiges Werk ansgeübt hatte. An öffentlichen Sammlungen und Spenden betheiligte er sich stets mit großen Summen und stellte nur die eine Bedingung, daß sein Name nicht genannt werde. Nur in intimsten Freundeskreisen erzählte er von seinen Besuchen in den Wohnungen armer Familien und wie er der größten Noth abgeholfen habe. Auch seinen Arbeitern war Herr Dengler ein fürsorglicher Vater, stets für deren Wohl bedacht. Ungefähr seit einem Jahre war der früher so liebenswürdige, Jedem freundlich entgegenkommende Mann wortkarg geworden und sah nur ungern Gesellschaft um sich. Ein Augenleiden, das sich von Tag zu Tag verschlechterte, hatte diese Aenderung bewerkstelligt. Herr Dengler consultirte die ersten Specialisten, aber der fortschreitenden Schwächung des Augenlichtes konnte nicht vorgebeugt werden und vor einem halben Jahre war die Sehkraft bereits so gering, daß sich Herr Anton Dengler vom Geschäft zurückziehen und die Führung des Brauhauses seinem Sohne Rudolph übertragen mußte. Dies wirkte auf den immer sehr arbeitsfrendigen Mann besonders niederdrückend und er äußerte sich Bekannten gegenüber, daß ein Mensch, der nicht mehr arbeiten könne, auch nicht mehr in die Welt gehöre. Dengler fürchtete, total zu erblinden, und einem Freunde des Hauses gegenüber sprach er sich aus, daß er an dem Tage in das Grab sinken werde, an dem er, des Augenlichtes beraubt, nur Grabesfinsterniß um sich sehen werde. In den letzten Tagen trat wieder eine Verschlimmerung dieses Augenübels ein und Herr Dengler war in äußerst gereizter, nervöser Stimmung. Dennoch ahnte Niemand aus der Umgebung, daß der alte Mann einen so furchtbaren Entschluß gefaßt habe. Gestern Morgens kleidete sich Herr Dengler nach einer zum Theile schlaflos verbrachten Nacht zeitlich an und sagte, daß er einen Spaziergang im Freien machen wolle. Er begab sich jedoch in sein neben den Bureauräumlichkeiten befindliches Kassenzimmer und führte dort den Selbstmord aus, in­ dem er sich mittels der Vorhangschnur am Fensterkreuz erhängte. Etwa eine Stunde darauf fand ihn hier sein Diener. Dengler wurde sofort abgeschnitten, ein Arzt wurde rasch herbeigeholt, aber Herr Dengler war bereits todt. Er hat keinerlei schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen. Das Leichenbegängniß des allgemein beliebt und geachtet gewesenen Mannes wird morgen Nachmittags stattfinden.

Weiters im Grab bestattet:
Anton Dengler (Sohn), * 23.11.1867, † 01.07.1872
Elise Caroline Dengler, geb. Pschorr (Ehefrau), * 30.12.1841 in München, † 31.05.1914, Bestattungsdatum: 02.06.1914
Rudolf Mathias Dengler (Sohn), Brauereibesitzer in Jedlesee, * 20.06.1873, † 12.12.1937, Bestattungsdatum: 16.12.1937

Die Grabstelle (auf Friedhofsdauer) befindet sich am Jedleseer Friedhof (Gruppe: 3, Reihe: MW, Nummer: 1). Die Grabstelle wurde im November 2025 seitens der Stadt Wien ehrenhalber gewidmet.

Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: www.nikles.net, Illustrirtes Wiener Extrablatt vom 10.6.1900, Seite 3, Neue Freie Presse vom 11.6.1900, Seite 7.



Willkommen

Danke, dass Sie unsere Webseite ausgewählt haben. Wir freuen uns, Sie hier zu haben und möchten unser Wissen mit Ihnen teilen. Sie können uns gerne zu verschiedenen Themen unter der Email office@nikles.net schreiben. Wir ant­worten in der Regel innerhalb eines Tages.
Die meisten Bilddateien sind aus eigener Quelle und können auf Anfrage kostenlos für eigene Webseiten verwendet werden. Auf Wunsch auch in höherer Auflösung.

Kontakt

Günter Nikles
Josef Reichl-Str. 17a/7
7540 Güssing
Austria

Email: office@nikles.net
Website: www.nikles.net