Person - Hermine Glinska
Hermine Glinska, Schriftstellerin, * in Polen, † 19.02.1868 in Wien.
Zuletzt wohnhaft: 3., Hetzgasse 16.
Leben: Hermine Glinska wurde in Polen geboren und folgte Ihrer Familie nach Wien-Landstraße.
Sie schrieb schon in jungen Jahren deutsche Texte, wie Gedichte und Romane.
Sie zog es vor, sich vorerst in kleineren Arbeiten in hiesigen Blättern zu versuchen.
Diese Versuche waren ermutigend, und sie schrieb Romane wie
"Graf Godziemba" und "Vera", welche Themen von der letzten polnischen Revolution beinhalteten.
Als sie erkrankte, musste sie die anstrengende literarische Beschäftigung aufgeben und sich auf
Arbeiten beschränken, die vorerst nicht für den Druck bestimmt waren.
Hermine Glinska verstarb mit nur 27 Jahren an Lungentuberkulose.
In den Zeitschriften aus dem Jahr 1868 ist zu lesen, dass sie einen Freiplatz in der Heil- und Pflege-Anstalt
für idiotische und epileptische Kinder und Erwachsene zu
Zwölfaxing stiftete.
Publikationen:
Graf Godziemba (Roman, Thema: polnische Revolution)
Mekka (Roman)
Vera (Roman, Thema: polnische Revolution)
Wiener Zeitung vom 23.2.1868, Seite 10:
Glinska Hermine, Schriftstellerin, 27 J., Landstraße, Hetzgasse 16, Lungentuberkulose.
Fremden-Blatt vom 26.2.1868, Seite 6:
Am 19. d. starb in Wien die Schriftstellerin Hermine Glinska. Wiewohl
Polin von Geburt, widmete sich Glinska in Wien, wohin sie ihrer Familie vor
einigen Jahren folgte, bald ausschließlich der deutschen Literatur, die ihr ohnedies
nicht fremd war, da sie unsere größten deutschen Meister schon in der Heimat im
Originaltext studirt hatte.
Blätter für Musik, Theater und Kunst vom 28.2.1868, Seite 4:
Ebendaselbst am 19. Februar die Schriftstellerin Hermine Glinska.
Wiewohl Polin von Geburt, widmete sich Glinska in Wien, wohin sie ihrer Familie vor
einigen Jahren folgte, bald ausschließlich der deutschen Literatur, Deutsches Wesen und
deutsche Bildung fanden an ihr eine glühende Verehrerin, und zu zahlreichen musikalischen
Piecen, welche sie componirte, schrieb sie schon in früher Jugend deutsche Texte. Glinska's
eigenartigem, das Nächste lebhaft ergreifendem Temperamente mag es zuzuschreiben sein, daß
sie sich nicht entschließen konnte, ein größere selbststänsigrs Werk der Oeffentlichkeit zu übergeben;
sie zog es vor, sich vorerst in kleineren Arbeiten in hiesigen Blättern zu versuchen.
Diese Versuche fielen glänzend aus, und die Romane: »Graf Godziemba» und »Vera,»
welche beide Sujets aus der letzten polnischen Revolution behandelten, fanden die auszeichnendste
Anerkennung. Als sie zu kränkeln begann, mußte sie die anstrengende literarische
Beschäftigung aufgeben und sich auf Arbeiten beschränken, die vorerst nicht für den Druck bestimmt
waren. Aus ihren Arbeiten leuchtete Geist, hohe Bildung, edle Auffassung und ein
feinfühlendes Gemüth hervor; ihre Romane trugen nicht den Stempel gewöhnlicher Unterhaltungslectüre
an sich; aus ihnen sprach sittlicher Ernst und die Liebe zu Edlem und Schönem.
Schade, ewig schade, daß der Tod diesem jungen aufstrebenden Talente so früh eine Gränze steckte.
Neue Freie Presse vom 1.3.1868, Seite 7:
Am 19. d. ist in Wien die begabte Schriftstellerin Hermine
Glinska gestorben. Sie schrieb Gedichte und setzte sie in Musik. Auch
zwei lesenswerthe Romane in deutscher Sprache: „Graf Godziemba"
und „Mekka", gelangten in die Oeffentlichkeit und erregten die Aufmerksamkeit der Lesewelt.
Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien, 1868, Band 8, Seite 100:
Hermine Glinska-Stiftung.
In der Heil- und Pflege-Anstalt für idiotische und epileptische Kinder und Erwachsene
zu Zwölfaxing nächst Wien ist der von dem verstorbenen Fräulein Hermine
Glinska gestiftete Freiplatz zu besetzen. Die Gesuche um Aufnahme in diese Stiftung
sind unmittelbar an die Direction der Heilanstalt unter Beischluss eines ärztlichen
Parere, welches den geisteskranken Zustand des Kindes, sowie den Grad seiner
Bildungsfähigkeit angibt, und eines Armuths-Zeugnisses einzusenden.
Die Grabstelle befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 212b)
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: Wiener Zeitung vom 23.2.1868, Seite 10,
Fremden-Blatt vom 26.2.1868, Seite 6,
Blätter für Musik, Theater und Kunst vom 28.2.1868, Seite 4,
Neue Freie Presse vom 1.3.1868, Seite 7,
Zeitschrift der k.k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien, 1868, Band 8, Seite 100.