Person - Franz Ficker
Franz Ficker, klassischer Philologe, Literaturhistoriker, Ästhetiker,
Doktor der Philosophie, k. k. o. ö. Professor der Lateinischen und Griechischen Philologie,
Professor der klassischen Literatur und der Ästhetik,
* 25.02.1782 in Nokowitz, Bezirk Komotau, Böhmen (Nebovazy, Tschechische Republik), † 22.04.1849 in Wien,
Bestattungsdatum: 24.04.1849,
zuletzt wohnhaft: 3., Landstraße Nr. 53 (1833),
3., Sechskrügelgasse 5, 3., Ungargasse 5 und 3., Landstraße Nr. 364 (1849).
Leben: Franz Ficker besuchte die Schule in Kryma, unweit seines Geburtsortes.
1794 trat er in das königliche Gymnasium zu Kommotau ein.
1799 bezog Ficker die hohe Schule in Prag, wo eben in der klassischen Literatur und Ästhetik, Meißner, als Professor, durch Geist und
Gabe des Vortrages glänzte.
Nach dem Tod seiner Eltern 1801 absolvierte er die philosophischen Studien
mit Auszeichnung, und trat im Jahre 1802 zu den Rechtswissenschaften über.
Im Jahre 1805 bewarb sich Ficker um eine Humanitätsprofessur am Kommotauer Gymnasium,
und wurde in Folge des Konkurses 1806 vorläufig mit einer Vertretung beauftragt.
1807 folgte er dem Rufe als wirklicher Humanitätsprofessor nach Neuhaus, wo eben ein neues Gymnasium errichtet worden war.
1811 ließ er sich in derselben Stellung nach Gitschin versetzen.
Er führte 3 Jahre das Lehramt in Pisek (Südböhmen, Tschechien) und erhielt 1814 die Präfektenstelle am
Gymnasium in Pisek.
1816 erhielt er die Lehrkanzel der klassischen Literatur und griechischen Philologie an dem (damals noch) Lyceum zu Olmütz.
Im Mai 1823 wurde er Professor der Ästhetik und der Geschichte der Wissenschaft an der
Universität Wien
und lehrte von 1825 - 1848 klassische Philologie.
Am 05.12.1839 erfolgte die Wahl zum Dekan an der philosophischen Fakultät.
Kurz nach seiner Pensionierung 1848 und inmitten neuer schriftstellerischer Arbeiten, verstarb er am 22.04.1849 an einer Lungenlähmung.
Werke:
1829: Aesthetik oder: Lehre vom Schönen und der Kunst (Wiener Zeitung vom 2.11.1829, Seite 4).
1831: Anleitung zum Studium der griechischen und römischen Klassiker (Wiener Zeitung vom 7.11.1831, Seite 5).
1834: Literaturgeschichte der Griechen und Römer (Wiener Zeitung vom 29.11.1834, Seite 15).
1837: Geschichtlicher Überblick der gesammten schönen Kunst nach ihren einzelnen Sphären (Grazer Zeitung vom 26.1.1837, Seite 6).
1840: Aesthetik oder: Lehre vom Schönen und der Kunst (2. Auflage), (Wiener Zeitung vom 10.10.1840, Seite 8).
Kinder (mögl. unvollständig):
Adolph Ficker, Statistiker (ältester Sohn), k.k. Min.Sekr., k.k. Sektionschef, Dr. der Rechte, * 14.06.1816 in Olmütz in Mähren, † 12.03.1880, 3. Landstraße 370 (1856), 3. Ungargasse 37, 1.,
Mölkerbastei 5 (1880).
Gustav Ficker, * um 1820, † 16.01.1833, Bestattungsdatum: 18.01.1833, 13 Jahre, 3., Landstraße Nr. 53.
Heinrich Ficker, k.k. Gymnasialprofessor, seit 1855 Lehrer der Geschichte und Geographie am Gymnasium zu Ofen, * 20.10.1830 in Wien, † 05.07.1884 in Wien, 3. Ungargasse 55.
Vaterländische Blätter vom 15.6.1814, Seite 2 und 3:
Die an dem Gymnasium zu Gitschin erledigte
Präfectenstelle wurde dem dasigen Professor der Humanitätsclassen,
Franz Ficker, verliehen. Derselbe
hat sich bey seinem Lehramte, das er seit 3 Jahren
führte, durch unermüdeten Eifer für die moralische und
literarische Bildung seiner Schüler, und durch einen
musterhaften Lebenswandel ausgezeichnet, und besitzet
auch die nöthigen Kenntnisse in der Geographie, Geschichte,
Mathematik, Naturgeschichte und Naturlehre;
auch das Gebieth der Philosophie ist ihm gut bekannt.
In das an dem Gymnasium zu Pisek eröffnete
Lehramt der Humanitatsclassen rückte der Weltpriester
und dasige Professor der höheren Grammatik und der
griechischen Sprache, Johann Goll, vor.
Wiener Zeitung vom 26.5.1823, Seite 1:
Se. k. k. Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung
vom 1. May d. J., das Lehramt der Aesthetik an der
Wiener-Universität,
dem Professor der classischen Literatur am Lyceum
zu Olmütz, Franz Ficker, allergnadigst zu verleihen geruhet.
Wiener Zeitung vom 21.1.1833, Seite 4:
Dem Hrn. Franz Ficker, k. k. Professor der classischen
Literatur, s. S. Gustav, alt 13 Jahr, auf der Landstraße
Nr. 53, an Uebersetzung des Scharlachs auf das Gehirn.
Österreichisches Morgenblatt ; Zeitschrift für Vaterland, Natur und Leben vom 18.5.1836, Seite 4:
Galerie der Zeitgenossen.
- I. Franz Ficker.
(Biographische Skizze von Rudolf Hirsch.)
Die Geschichte eines Gelehrten ist die Geschichte seiner Bildung und seiner Werke.
Franz Ficker ist am 25. Februar, zu Nokowitz, einem kleinen Gebirgsdorfe
im Saazer Kreise Böhmens, als der zweite Sohn eines ziemlich
wohlhabenden Landmannes, geboren.
Den ersten Unterricht erhielt Ficker in der, von seinem Geburtsorte nicht
weit entfernten Schule zu Kryma; die Fähigkeiten und der Eifer, welche sich
bei Ficker's Bestrebungen damals entwickelten, so wie der Erfolg, welcher
sie begleitete, bestimmten seine Aeltern, ihn nach der damals üblichen Vorbereitung
in das königliche Gymnasium zu Kommotau eintreten zu lassen (1794).
Bald war hier Ficker der Erste unter seinen Mitschülern. In den Grammatikalclassen
genoß er den Unterricht Zappe’s, der nicht blos ein würdiger
Geistlicher und gründlicher Philolog, sondern auch ein trefflicher Historiker und
Naturkundiger (in mehreren Fächern Schriftsteller, schrieb: beliebte Gebetbücher,
eine Geschichte Roms, über Mineralogie) war. Ihm verdankt Ficker nicht
nur blos die erste feste Grundlage seines Wissens, sondern vorzüglich jene kräftig
einwirkende Anregung der Liebe zur Literatur und Geschichte insbesondere.
Im Jahre 1799 bezog Ficker die hohe Schule zu Prag, wo eben in der clas-
fischen Literatur und Aesthetik, Meißner, als Professor, durch Geist und
Gabe des Vortrages glänzte.
Als im Herbste des Jahres 1800, nach dem Schlage von Marengo und
den Vorgängen in Deutschland, der Erzherzog Carl eine böhmisch-mährische Legion
bildete, sprach der damalige Repräsentant der philosophischen Facultät Ungar, zu den
Studierenden der Prager Universität, und begeistert durch des Meisters Rede folgten
Viele dem Rufe des Vaterlandes. Unter ihnen war auch Ficker, damals Hörer der
Philosophie im zweiten Jahre. Als aber die böhmischen Vaterlandsvertheidiger Prag
verließen, hatte schon die Schlacht bei Hohenlinden den Feldzug entschieden, und,
wenn sich gleich die Zahl der um Budweis versammelten Truppen, als sie der
Kaiser inspicirte, auf 40,000 wohl bewaffnete und eingeübte Krieger belief, so
wollte sie doch der milde Monarch den Wechselfällen des Krieges und Kampfes
nicht aussetzen, und schloß den Frieden zu Luneville. In Folge desselben wurde
denn nun auch jene Legion aufgelöset, und Alle kehrten zu den gewohnten Beschäftigungen zurück.
Ficker verlor im Sommer von 1801 schnell nach einander Vater und
Mutter, wurde dadurch wohl mehr auf sich selbst beschränkt, aber auch selbstständiger
in seiner Standeswahl. Er absolvierte nun die philosophischen Studien
mit Auszeichnung, und trat im Jahre 1802 zu den Rechtswissenschaften über,
ohne das Studium des classischen Alterthums und der neuen Poesie, die eben
in Deutschland zur vollsten Blüte gelangte, darüber zu vernachlässigen. Im Jahre
1805 bewarb sich Ficker um eine Humanitätsprofessur an dem Kommotauer Gymnasium,
und wurde in Folge des Concurses 1806 vorläufig mit der Supplirung
beauftragt. Bevor noch seine Bestätigung erfolgte, wurde das Gymnasium
als ein landesfürstliches aufgehoben (1807). Die städtischen Behörden,
welchen darauf die Leitung zufiel, trugen doch Ficker, obwohl sie aus
pecuniären Gründen geistliche Lehrer vorziehen konnten, eine Professorstelle an.
So sehr es ihn anzog, an jenem Orte bildend zu wirken, an welchem er selbst
seine Bildung begonnen, an den ihn so manche schöne Erinnerung knüpfte, wollte
er doch den kaiserlichen Dienst nicht verlassen, und folgte dem Rufe als
wirklicher Humanitätsprofessor nach Neuhaus, wo eben ein neues Gymnasium errichtet
worden war. In dieser freundlichen Stadt, im Umgange mit seinen Collegen –
(vor Allen mit dem durch gleiche Studien ihm zunächst stehenden Pollak,
der 1825 als Professor der dasigen Literatur und Aesthetik zu Lemberg
starb, und in seinem Fache als Schriftsteller verdienstlich bekannt ist) – verlebte
hier Ficker viele vergnügte, glückliche Tage, bis mancherlei Verhältnisse
der Lehranstalt selbst, verstimmend dazwischen traten. Seinem eigenen Wunsche
gemäß, wurde Ficker 1811 in derselben Stellung nach Gitschin übersetzt. Im
Jahre 1814 wurde er Präfect dieses Gymnasiums, und im Jahre 1816, nachdem
er schon früher für Aesthetik und Philosophie ehrenvoll in die Schranken
getreten, erhielt er die Lehrkanzel der claffischen Literatur und griechischen Phi-
lologie an dem (damals noch) Lyceum zu Olmütz. Bei der hier zufällig gleich
nach seiner Uebersetzung eingetretenen Erledigung der physikalischen Lehrkanzel,
versah er auch dieses Lehramt ein halbes Jahr hindurch. Im Jahre 1817 löste
ihn von diesem Posten der bekannte Professor der Physik, Andreas Baumgartner, ab.
Zwischen ihm und Ficker knüpfte sich schnell ein freundliches
Verhältniß, das stets an Innigkeit und Festigkeit wuchs, und beide Männer,
die so lange Zeit an einer Anstalt wirkten, noch gegenwärtig umschlingt.
(Schluß folgt.)
Österreichisches Morgenblatt; Zeitschrift für Vaterland, Natur und Leben vom 21.5.1836, Seite 3 und 4:
I. Franz Ficker.
(Schluß)
Bald darauf eröffnete Ficker zu Olmütz mit höherer Bewilligung unentgeltliche
Vorträge über Aesthetik und Kunstgeschichte, welche zu Olmütz bis dahin
noch nicht gelehrt worden war, und versammelte in Kurzem einen zahlreichen
Kreis von Zuhörern um sich, in welchem er mehre Jahre mit Erfolg wirkte.
Sein Beruf beschäftigte ihr nun hauptsächlich mit den Werken der alten classischen
Literatur, und machte ihm täglich für Lehrer und Schüler das Bedürfnis
einer umfassenden theoretisch-praktischen Encyklopädie der dazu gehörigen Wissenschaften
erforderlich. Aus diesen Bedürfnissen ging seine „Anleitung zum Studium
der griechischen und römischen Classiker“ hervor, wovon in den Jahren
1821_1825 3 Bände bei Geistinger in Wien erschienen.
Ueber die Art, mit welcher er seinen Stoff erfaßt, sagt er felbst in der Vorrede
zum ersten Bande: „Des Verfassers Absicht konnte es keineswegs sein, durchaus
eigene Ansichten aufzustellen, sondern das Bekannte und an verschiedenen
Orten Zerstreute zu sammeln, es nach Kräften strenge zu ordnen, hiermit das,
was ihm nebst der Lektüre seine eigene Erfahrung und sein Nachdenken darbot,
zu verbinden und in weiteres Nachforschen durch literarische Nachweisungen bis
auf die neueste Zeit zu unterstützen." – Der erste Band umfaßte nebst der allgemeinen
Einleitung die Sprachwissenschaft, Hermeneutik und Kritik, der zweite
Theil die politische und Literaturgeschichte (jene in synchronistischen Tabellen), der
dritte Band endlich behandelt die Kunstgeschichte der Griechen und Römer. –
Obwohl dem Prof. Ficker zu Olmütz nicht eben die besten Werke zu Gebote gestanden,
und seine Entfernung vom Druckorte in den beiden ersten Theilen eine Unzahl
entstellender Satzfehler zur Folge hatte, so fand doch seine Arbeit, schneller
als gewöhnlich, die verdiente Würdigung; bewährte Lehrer classischen Studiums
empfahlen sie mündlich und schriftlich mit Nachdruck, und selbst im Auslande
erhoben sich viele günstige Stimmen dafür. Der Umstand, daß das Werk einer
Buchhandlung in die Hände gerathen war, die sich bald nach dem Erscheinen
des dritten Bandes dem Verfalle näherte, hinderte die Vollendung desselben
nach dem anfänglichen Plane, und bewirkte, da jeder Theil ein kleines, in sich
abgeschloffenes Ganze bildet, die Sonderung.
Im Jahre 1823 erhielt Ficker den Ruf zur Kanzel der Aesthetik an der
hohen Schule zu Wien, übernahm im Jahre 1824 die Supplierung des Lehramtes
der Pädagogik, und führte sie durch fünf Jahre. Der neue philosophische
Studienplan vom Jahre 1825 verband mit der Professur der Aesthetik auch jene,
unter dem Namen der lateinischen und griechischen Philologie und der classischen
Literatur gestifteten Lehrfächer; nach dem Austritte des Professors Anton
Stein, übernahm Ficker auch wirklich dieselben, so, daß er seitdem die lateinische
Philologie fortwährend, die Aesthetik aber nur abwechselnd mit der classischen
Literatur und dem Griechischen vorträgt. Ueberdies versah Ficker noch geraume
Zeit hindurch die Censur in seinem ausgebreiteten Fache, bis das Uebermaß von
Geschäften ihn nöthigte, um die Enthebung derselben anzusuchen. Bei solch' gehäufter
Pflichtthätigkeit erscheint Ficker's schriftstellerische Fruchtbarkeit wahrlich
bewunderungswürdig. Mit der Einführung des Schulplanes vom Jahre
1825 wurde eine neue lateinische Chrestomathie zum Gebrauche der Hörer beider
philosophischer Jahrgänge nöthig; Ficker erhielt den Auftrag, dieselbe zusammenzustellen,
und sie erschien im Druck zu Wien 1827. – Der erhaltenen Anweisung zu
Folge besteht sie aus einem historischen und philosophischen Theile; die Fragmente
des Letzteren sollten so genau als möglich an einander gepaßt und zu einem
systematischen Ganzen verbunden werden. Die Schwierigkeit einer solchen Aufgabe
und Ausführung weiß jeder Sachkundige zu würdigen. Uebrigens traf
auch Ficker im historischen Theile eine höchst verständige und sorgfaltige Auswahl;
bei allen Autoren wurden die besten Ausgaben zu Grunde gelegt und mit
kritischer Gewissenhaftigkeit benützt.
Drei Jahre später erschien die seit langer Zeit vorbereitete „Aesthetik, oder
Lehre vom Schönen und von der Kunst in ihrem ganzen Umfange." Wien, bei
Heubner 1830. – Bei dem Vortrage dieser Wissenschaft war bisher das Lehrbuch
der Aesthetik von Aloys Schreiber zu Grunde gelegt worden; jenes
Werk enthält wohl einen reichen Schatz treffender Ansichten, aber die wissenschaftliche
Durchführung und Begründung mangelt darin, auch sind in der Theorie
der einzelnen Künste fast nur die Malerei und Poesie hervorgehoben, die übrigen
leichthin abgefertigt. Ganz im Gegensatze strebte Ficker die Lehre vom
Schönen allseitig philosophisch festzuhalten, ohne dabei einer bestimmten Schule
zu huldigen, ihr die Lehre von der Kunst durchgängig anzuschließen und in
planmäßiger Vollkommenheit der verschiedenen einzelnen Künste theoretisch zu
entwickeln. Die Wissenschaftlichkeit des Ganzen in Ficker's Aesthetik, die verständige
Anordnung und lichtvolle Darstellung, die Menge trefflicher, eigener
und fremder Bemerkungen im Einzelnen, in einer Sprache vorgetragen, die
ihre Einwirkung auf Geist und Gemüth nicht verfehlen konnte, endlich die stete
Rücksicht auf praktische Anwendbarkeit aller Sätze: alle diese trefflichen Eigenschaften
jenes Werkes gewannen demselben bald viele Freunde; die
geachtetsten Zeitschriften und gelehrten Blätter des In- und Auslandes sprachen
sich darüber vortheilhaft aus und der bedeutende Absatz, welchen das
Werk selbst in den darauf folgenden, dem Buchhandel so ungünstigen Jahren,
fand, dürfte ein nicht unzweideutiger Beleg für dessen Brauchbarkeit sein. Und
selbst in dem neuesten Lexicon der Aesthetik von Alois Jeitteles, Wien,
bei Gerold 1835 [Verlag Carl Gerold], hat sich der gelehrte Herr Verfasser bei sehr vielen einzelnen
Artikeln der Ficker'schen Aesthetik fast wörtlich angeschlossen.
Zünächst beschäftigten Ficker in feinen Mussestunden die neuen Auflagen
seiner früheren Werke, die bei Geistinger erschienen und schon fast ganz vergriffen
waren, als diese Handlung, bei welcher auch Ficker bedeutenden
pecuniären Schaden litt, eintrat, und die noch vorräthigen Exemplare
aus dem Handel brachte. Aber auch die erweiterten Erfahrungen, welche Ficker
seit der ersten Ausgabe im Bereiche des classischen Studiums durch seine Amtsgeschäfte
täglich machte, die neuen Hilfsquellen, welche durch seine nun ganz so
vortheilhaft geänderte Stellung ihm offen standen, diese Motive bestimmten ihn
zu einer gänzlichen Umarbeitung jener Werke. Zuerst erschien 1832 bei Heubner
die „Anleitung zum Studium der griechischen und römischen Classiker"
vormals der erste Band jenes größeren Werkes, vielfach vermehrt und verbessert,
ja, fast ein ganz neues Werk geworden. Im Jahre 1833 folgte eine
zweite Ausgabe der Ficker'schen lateinischen Chrestomathie bei Gerold, die wohl
nur unbedeutende Veränderungen erfuhr, bei welchen man aber dennoch einsieht,
Ficker sei im kritischen Lesen der classischen Meisterwerke nicht stehen geblieben,
sondern habe Alles dasjenige kennen und würdigen gelernt, was zumal in
Deutschland in diesem Gebiete geschehen ist. Im Jahre 1835 trat bei Gerold
die „Literaturgeschichte der Griechen und Römer" – an das Licht, hinsichtlich
des literarischen Theiles bis auf die neueste Zeit herabgeführt und gesichtet, aber
auch in den Tabellen, die jetzt anhangsweise beigegeben wurden, um die Hälfte
vermehrt. Den dritten Theil des früheren Werkes ließ Ficker nicht wieder
auflegen, weil er mit der seitdem erschienenen Archäologie K. O. Müller's,
die für Eigenthümliches kaum etwas übrig läßt, nicht in die Schranken treten
wollte.
So wirkt Ficker schon seit zwölf Jahren an der hohen Schule zu Wien,
von dem schönsten Erfolge und der Anerkennung aller seiner Vorgesetzten begleitet,
geschätzt und geliebt von Allen, die ihm näher stehen, und setzt sein literarisches
Streben und Studium noch durch eine für einen Privatmann nicht unbedeutende
Bibliothek und mehrfache gelehrte Verbindungen unterstützt, fort.
Nächstens wird aus seiner Feder eine Kunstgeschichte hervortreten, wozu -
seit dem Beginnen seiner ästhetischen Vorträge, der Grund gelegt wurde, und die
Kunstschätze der Hauptstadt förderlich eintreten; auch wird eine Umarbeitung seiner
Aesthetik manche Mängel derselben beseitigen, und durch eine größere Menge
von Beispielen und Hinweisungen der neuesten wirklichen Kunstwerke für jede
einzelne Regel die Brauchbarkeit des Werkes noch erhöhet werden.
Wiener Zeitung vom 14.12.1839, Seite 1:
Den 5ten l. M. fanden an der hiesigen Hochschule die Decanenwahlen Statt.
... bey der philosophischen Facultät, Hr. Franz Ficker,
Doctor der Philosophie, k. k. o. ö. Professor der
Lateinischen und Griechischen Philologie, der classischen
Literatur und der Aesthetik, zum Decane gewählt.
Wiener Zeitung vom 29.4.1849, Seite 10:
Herr Franz Ficker, Doctor der Philosophie, k. k. pens. Professor,
emerit. Dekan der philosophischen Fakultät und Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften, alt 67 J.,
auf der Landstraße Nr. 364, an der Lungenlähmung.
Wiener Zeitung vom 16.3.1880, Seite 18:
Ficker Adolph, Dr., k. k. Sectionschef,
64 J., I.,
Mölkerbastei 5, Altersschwäche.
Wiener Zeitung vom 10.7.1884, Seite 6:
Ficker Heinrich, k k. Gymnasialprofessor,
53 J., III., Ungargasse 55, Lungentuberculose.
Die Grabstelle befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 125a).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: Vaterländische Blätter vom 15.6.1814, Seite 2 und 3,
Wiener Zeitung vom 26.5.1823, Seite 1,
Wiener Zeitung vom 2.11.1829, Seite 4,
Wiener Zeitung vom 7.11.1831, Seite 5,
Wiener Zeitung vom 21.1.1833, Seite 4,
Matricula Online, Pfarre Landstraße St. Rochus, Sterbebuch 03-08, Seite 14,
Wiener Zeitung vom 29.11.1834, Seite 15,
Österreichisches Morgenblatt; Zeitschrift für Vaterland, Natur und Leben vom 18.5.1836, Seite 4,
Österreichisches Morgenblatt; Zeitschrift für Vaterland, Natur und Leben vom 21.5.1836, Seite 3 und 4,
Grazer Zeitung vom 26.1.1837, Seite 6,
Wiener Zeitung vom 14.12.1839, Seite 1,
Wiener Zeitung vom 10.10.1840, Seite 8,
Wiener Zeitung vom 29.4.1849, Seite 10,
Matricula Online, Pfarre Landstraße St. Rochus, Sterbebuch 03-13, Seite 0169 ->
Matricula Online,
Wiener Zeitung vom 16.3.1880, Seite 18,
Wiener Zeitung vom 10.7.1884, Seite 6.