Person - Jeremias Bermann
Jeremias Bermann, Kunst-, Musikalienhändler und Verleger, * 1770 in Oesdorf in Westfalen, † 02.01.1855 in Wien.
Verheiratet mit Josefa Bermann, geb. Eder.
Leben: Jeremias Bermann war ein deutsch-österreichischer Kunst-, Musikalienhändler und Verleger.
Nach der Heirat der Tochter des Kunsthändlers Josef Eder (1759-1835) übersiedelte er 1807 nach Wien.
Im Jahr 1815 übernahm Jeremias Bermann den bekannten Antiquitätenladen seines Schwiegervaters, den Eder'schen Kunsthandel,
der sich im Erdgeschoss des Elephantenhauses (
Graben, Apotheke zur goldenen Krone, Nr. 619, Wien I.) befand.
Das Elephantenhaus, ein massives dreistöckiges Gebäude, war bekannt für das riesige Relief eines Mannes sitzend auf einem Elefanten,
das im 18. Jahrhundert an der Fassade angebracht wurde.
Jeremias machte seinen Sohn, Josef Berman (1810–1886), 1836 zum Partner des Unternehmens und benannte es in "Bermann und Sohn" um.
Josef Bermann übernahm im Jahr 1847 die Firma und führte "Bermann und Sohn" weiter, bis das Elephantenhaus 1866 abgerissen wurde.
Die Firma war auf auf Porträtstiche, Visitenkarten, Ansichten, Notenblätter sowie Spiele spezialisiert.
Der Wanderer vom 29.12.1838, Seite 2 und 3:
Die Kunsthandlung Bermann und Sohn.
Diese thätige Kunsthandlung hat ihren reichen
Verlagn den sie unausgsetzt vermehrt, neuerlich wieder
durch einige interessante Artikel bereichert, welche sich sehr
passend zu Neujahrsgeschenken eignen, und auch vorzugsweise
hiefür besstimmt scheinen. Denn sowohl das Aeußere, die
elegante Ausstattung, sey es Bilderbuch, Gesellschaftsspiel oder
Kunstableau, als auch das Innere, die Stoffhältigkeit, empfehlen
diesen Verlag unbedingt. Wir heben darunter insbesondere
heraus: das „Blumengewinde in lehrreichen
und unterhaltenden Erzählungen", mit colorirten
Kupfern; in schön gefärbtem Umschlage steif gebunden. Dann
das „militärische alphabetische Bilderbuch." enthaltend
25 colorirte Kupfertafeln und mehr als 150 Abbildungen
des k. k. Militärs, nach der neuesten Uniformieung. Doch
nicht allein die Jugend, auch die Erwachsenen finden hier manches
Neue für ihren Geschmack. So z. B. das „Erinnerungtableau
der Völkerschlacht bei Leipzig." zur Jubiläumfeier
von 1838. Oder lieben Sie Gesellschaftsspiele? Da
finden Sie eine vorzügliche Auswahl für die langen, entsetzlich
langen Winterabende, einen vergnüglichen Langeweil-Ableiter!
Besonders amüsant ist das mit dem zeitgemäßen Titel: „Luftballon
und Dampfwagen.* Diese Unzahl von Kärtchen,
welche dem eleganten Etui entfallen, versorgen eine ganze
Compagnie mit Zeitvertreib. Ferner: „Der kleine
Wahrsager." Ein Unterhaltungsspiel „für Leute, welche
Spaß verstehen." wie es die Herren Bermann und Sohn
bezeichneten. Dieser Beisatz dürfte jedoch blos auf das Spielen
zu beziehen, und nicht auch auf das Kaufen auszudehnen
seyn.
Salzburger Zeitung vom 9.1.1855, Seite 7:
In Wien starb am 2. d. M. eine vielbekannte Persönlichkeit,
Herr Jeremias Bermann, Bürger von Wien und gewesener
Kunst und Musikalienhändler im 85. Lebensjahre.
Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, 1958, Hauptteil, Seite 131 (Abschnitt: Der Graben und seine Bewohner):
Der Kunst- und Musikalienhändler Jeremias Bermann (l770-1855),
ein gebürtiger Westfale, der 1807 nach Wien kam, heiratet die Tochter des
Kunsthändlers Josef Eder (1759-l835) und übernahm 1815 das Geschäft.
Josef Eder starb am 17. Februar 1835‚ 76 Jahre alt, bei seinem Schwiegersohn
Bermann. Den Ederschen Nachlaß im Werte von 110 fl. bekam die Witwe
Josefa Eder. Eine Spezialität der Kunsthandlung waren die Visitbillette und
Neujahrskarten. Gräffer erzählt: „An gewissen Namens- besonders aber an
den Neujahrstagen wogten viele hunderte von Käufern da aus und ein: der
Laden ist im Zustand der Bestürmung und Wachen müssen Ordnung halten.
Tausende solcher Billette mit Flittern gestickt, mit eigenen gedruckten Vers'chen
in farbigem Kuvert, ein bis zwei Gulden im Preis‚ werden für hier und die
Ferne verkauft. Jeremias Bermann starb am 2. Jänner 1855‚ 85 Jahre
alt. Sein Grab im
St. Marxer Friedhof hat sich bis heute erhalten.
Wiener Zeitung vom 22.11.1865, Seite 10:
Berman Josepha,
Pfründnerin, 84 J., Stadt,
Spiegelgasse 23, Entkräftung.
Wiener Zeitung vom 25.11.1865, Seite 10 (Berichtigung):
Berichtigung. In dem Verzeichnisse in
Nr. 268 vom 22. November d. J, soll es
statt Bermann Josepha, Pfründnerin, heißen
Bermann Josepha, hinterlassene Bürgerstochter.
Die Grabstelle befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 194a).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: www.nikles.net,
Wiener Zeitung vom 1.10.1818, Seite 4,
Der Wanderer vom 29.12.1838, Seite 2 und 3,
Salzburger Zeitung vom 9.1.1855, Seite 7,
Wiener Zeitung vom 22.11.1865, Seite 10,
Wiener Zeitung vom 25.11.1865, Seite 10,
Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, 1958, Hauptteil, Seite 131 (Abschnitt: Der
Graben und seine Bewohner).