Person - Josef von Kudler
Josef von Kudler (* 10. Oktober 1786 in Graz, laut Vereinigte Laibacher Zeitung vom 12.2.1853 in Bad Radkersburg; † 6. Februar 1853 in Wien) war ein österreichischer Nationalökonom und Jurist.
Leben: Josef Kudler studierte Rechts- und Staatswissenschaften an der
Wiener Universität.
Noch vor dem Doktorat wurde er supplierender Professor der Statistik und der politischen Wissenschaften.
1810–21 wirkte er am Lyzeum in Graz.
Er zählte zu den Gründern der
Steiermärkischen
Landwirtschaftsgesellschaft sowie des Lesevereins am Joanneum in Graz.
Große Verdienste erwarb er sich um Ausbildung und Verbreitung der wechselseitigen Feuerschadenversicherungsanstalt
in
Niederösterreich und der
Steiermark.
1821 wurde er nach Wien auf die Lehrkanzel der politischen Wissenschaften und der österr. politischen Gesetzkunde berufen.
1824 erschien seine „Erklärung des Strafgesetzes über schwere Polizeiübertretungen“ in
der „Zeitschrift für österr. Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde“, deren Redaktion er ab 1834 übernahm.
Hier veröffentlichte er eine Reihe von Aufsätzen z. B. über Steuerfragen.
Steuern sollten seiner Meinung nach möglichst nur auf das Einkommen gelegt werden.
1845 wurde er in das Komitee zur Reform des juridischen Studienwesens,
1848 zum Vizedirektor der juridisch-politischen Studien der
Wiener Universität berufen.
1846 erschien „Die Grundlehren der Volkswirtschaft“.
Es entstand auf Anregung des jungen Erzherzog Wilhelm, dessen Lehrer er in den Staatswissenschaften war.
Es fordert Freiheit des Erwerbs, des Eigentums, Besitzes und Verkehrs, die Beseitigung der Untertänigkeit,
besonders des Zehnts und der Robot. Mäßige Schutzzölle befürwortete Kudler unter dem Einfluss von Friedrich List.
1849 wurde er Vorstand des Professoren-Kollegiums der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät
der
Universität Wien. 1848 Abgeordneter im konstituierenden Reichstag,
dessen erster Alterspräsident er wurde.
Obwohl er der Rechten angehörte, vertrat er auch freiheitliche Grundsätze.
Auch trat er für Abschaffung der Prügelstrafe ein.
Weiter forderte er eine Normierung des Verhältnisses des Staates zur Kirche,
die einerseits volle Gewissensfreiheit, andererseits aber auch die Macht des Staates gegenüber der Kirche wahren müsse.
Kudler beteiligte sich an vielen gemeinnützigen und industriellen Unternehmungen wie
der
Steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft,
verschiedenen regionalen Brandschadenversicherungsanstalten, der Eisenwerksaktiengesellschaft in Wolfsbach,
der Wiener Dampfmühlengesellschaft, der Bierbrauerei in Brunn,
dem
niederösterreichischen Gewerbeverein sowie dem Verein zur Hilfe für entlassene Häftlinge.
Sein Wirken wurde von der Allgemeinheit gewürdigt.
So wurde er 1848 Mitglied der Akademie der Wissenschaften, 1849 mit dem Ritterkreuz des Leopold-Ordens ausgezeichnet
und 1851 in den Adelsstand erhoben. 1852 mit dem Titel Hofrat ausgezeichnet.
Werke:
Die Grundlehren der Volkswirtschaft, Wien 1846, 2 Bände
Steiermarks Volkszahl in den Jahren 1819 und 1820, erschienen in der Steiermärkischen Zeitschrift, 1821.
Steiermarks Viehstand in den Jahren 1819 u. 1820, ebd. (mit Rückblick auf frühere Jahre).
Über d. Beziehung der Wissenschaften zum Staatsbürgerlichen Leben, ebd., 1824.
Über d. Vorzüge d. Versicherungsanstalten mit wechselseitiger Gewährleistung vor jenen, welche als gewinnbringende Unternehmungen begründet werden, ebd.
Vereinigte Laibacher Zeitung vom 12.2.1853, Seite 1 und 2:
Wien, 9. Februar. Der gestern zu Grabe getragene
k. k. Hofrath, Dr. Joseph Ritter v. Kudler,
war zu Radkersburg in
Steiermark im J. 1787 geboren.
Er studierte die Rechte an der
Wiener Universität,
erhielt daselbst den Doctorgrad und wurde 1809
Professor am Lyceum zu Gratz. 1821 wurde er an
der
Universität in Wien zum Professor der politischen
Wissenschaften ernannt, und schrieb während dieser
Zeit mehrere in die politische Gesetzkunde einschlagende
Werke von hohem Werthe. Im J. 1835 ward ihm
der Titel und Rang eines k. k. Regierungsrathes,
und kurz darauf das Ritterkreuz des St. Leopold-Ordens
und die Stelle eines k. k. Hofrathes ertheilt.
Als Lehrer genoß Hofrath Kudler die Ehre, die Studien
mehrerer Prinzen des a. h. Kaiserhauses geleitet
zu haben. Besondere Verdienste erwarb er sich bei Einführung
der so wohlthätigen wechselseitigen Brandschaden-Versicherungsanstalt,
und es verdankt die
Wiener priv. Anstalt hauptsächlich seiner Thätigkeit
ihr Gedeihen. Am 17. Juli 1848 wurde er zum Mitgliede
der k. k. Academie der Wissenschaften, und im
J. 1850 zum Präses der allgem. Abtheilung der
Staatsprüfungs-Commission ernannt.
Die Grabstelle befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 100).
Quelle: Dieser Text basiert auf dem Artikel
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Bilder: gemeinfrei und Vereinigte Laibacher Zeitung vom 12.2.1853, Seite 1 und 2.