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Die Bundeshauptstadt

Person - Joseph Julius Czermak

Joseph Julius Czermak (* 2. Juni 1799 in Prag; † 14. März 1851 in Wien) war ein österreichischer Arzt, Physiologe und Anatom, zuletzt wohnhaft: 1., Seilerstätte Nr. 806.

Verheiratet mit Clara Elisabeth Limbeck Freiin von Lilienau, * 1806 in Prag, Tschechien, † 08.06.1888 in Wien. Tochter von Johann Limbeck Freiherr von Lilienau und Franzisca Limbeck Freifrau von Lilienau, geb. Edle von Treumuth, * 31.08.1770, † 02.02.1828. Das Ehepaar hatte vier Kinder.

Kinder (insgesamt 4):
?? Langer Valeska, Med. Doktors- und Professors hinterlassene Tochter, alt 20 J., Seilerstätte Nr. 806, an der Abzehrung. † 13.05.1855.

Leben: Joseph Julius Czermak war der Sohn eines angesehenen Arztes aus Prag, er studierte in Prag und Wien Medizin, wo er schließlich im Jahr 1823 promovierte. 1825 übernahm er provisorisch die Lehrkanzel der Physiologie und höheren Anatomie an der Universität Wien. Bereits 1827 wird er ebendort zum ordentlichen Professor ernannt. Sein hauptsächliches Arbeitsgebiet war die höhere Anatomie. Zwischen 1827 bis 1848 wurde laut der Wiener Klinischen Wochenschrift die zweite Lehrkanzel für Physiologie und höhere Anatomie von Joseph Julius Czermak geführt (die erste Lehrkanzel wurde 1845 durch Professor Hyrtl übernommen). 1842 werden ihm mehrere Diplome bewilligt (Liste siehe Artikel der Wiener Zeitung vom 17.4.1842). 1848 wurde er als Professor enthoben und ging nach Prag zurück, wo er als praktischer Arzt großes Ansehen genoss. Nur drei Jahre später, am 14. März 1851, verstarb er an einer Lungenlähmung.

Wiener Zeitung vom 17.4.1842, Seite 1: Die k. k. vereinigte Hofkanzley hat dem Doctor der Heilkunde und Professor der Physiologie und höheren Anatomie an der hiesigen Universität, Joseph Julius Czermak die Annahme:
a) der von der kaiserl. medicinisch- chirurgischen Akademie zu St. Petersburg;
b) von dem Vereine großherzoglich Baden'scher Medicinalbeamter zur Förderung der Staats-Arzneykunde als Ehrenmitglied, — dann
c) von der Gesellschaft Russischer Aerzte zu St. Petersburg, und
d) von der ethnologischen Gesellschaft zu Paris als correspondirendes Mitglied erhaltenen Diplome bewilliget.

Wiener Zeitung vom 23.3.1851, Seite 9: Herr Joseph Julius Czermak, Doctor der Medicin, Professor der Physiologie an der k. k. Wiener Universität, Mitglied des Doktoren-Collegiums, der medicinischen Fakultät, der k. k Gesellschaft der Aerzte in Wien und mehrerer Akademien und gelehrten Gesellschaften, alt 51 J., auf der Seilerstätte Nr. 806, an der Lungenlähmung.

Fremden-Blatt vom 26.3.1851, Seite 3: Am 14. März 1851 hauchte einer der vortrefflichsten Menschen seinen edlen Geist aus! — Josef Julius Czermak, der Heilkunde Doktor und Professor, Mitglied des Doktoren-Kollegiums der medizinischen Fakultät, der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien, dann mehrerer Akademien und gelehrten Gesellschaften — wurde nach sehr kurzer Krankheit dieser Welt entrissen! Einem Freunde des Verstorbenen sei es vergönnt, diesem als Mensch und Arzt so allgemein geliebten und geachteten Manne, noch ein Wort des innigsten Dankes, ein letztes Lebewohl nachzurufen! Möge es ihm Wohlergehen in jener besseren Welt, und ihm vom gütigen Schöpfer reichlich vergolten werden, das viele Gute, das er auf Erden gewirkt, sein segenreiches menschenfreundliches Walten daselbst, die innige Freundschaft, womit er seinen Freunden zugethan war, und die redliche Liebe, mit der er eine treue Gattin und vier hoffnungsvolle Kinder beglückte. Was die Wissenschaft an ihm verloren, bezeugen seine literarischen Werke, sein verdienstvolles und so redliches Streben als Professor der Pathologie an der Universität zu Wien, und die große Achtung, die sein Name bei der ganzen medizinischen Fakultät des Inn- und Auslandes genoß! — Wie begründet sein schöner Ruf als praktischer Arzt war, dafür spricht die große Zahl seiner kranken und hilfsbedürftigen Mitbürger, denen er Heilung und Rettung brachte! Wie warm und theilnehmend dieses edle Herz den Leiden seiner Mitmenschen entgegenschlug — wie uneigennützig sein oft so verborgenes und stilles Wirken war, wissen die vielen Elenden und Armen, denen er mit Aufopferung seiner selbst Hilfe oder doch freundlichen Trost in ihren entfernten Hütten brachte, ohne je einen andern Lohn zu fordern, als den ihm sein Gewissen und ein herzlich Wort des Dankes gab. — Ein guter Gatte und Vater, ein Wohlthäter aller Leidenden, ein treuer Freund und ein so eifriger Beschützer und Beförderer alles Guten und Rechten gingen mit ihm zu Grabe! — Die letzte Erdscholle rollte auf seinen Sarg und die Grube schloß sich über ihn; doch fortleben wird sein Name in der von ihm so geliebten und gepflegten Wissenschaft, so wie sein Andenken in den Herzen aller Menschen, die mit Dankbarkeit, Liebe, Freundschaft und Achtung an diesen seltenen Ehrenmann gekettet waren!

Wiener Zeitung vom 14.6.1888, Seite 14: Czermak Clara, k. k. Professors Ww., 82 J., III., Hetzgasse 27, Gehirnschlagfluß.

Die Grabstelle befindet sich, gemeinsam mit seinem Schwiegervater, dem Vizekanzler der k. k. vereinigten Hofkanzlei Johann Limbeck, Freiherr von Lilienau, am St. Marxer Friedhof (Position 165).

Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: gemeinfrei, www.nikles.net, Wiener Zeitung vom 17.4.1842, Seite 1, Wiener Zeitung vom 23.3.1851, Seite 9, Fremden-Blatt vom 26.3.1851, Seite 3, Wiener Zeitung vom 14.6.1888, Seite 14.



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