Person - Julius von Kink
Julius Kink, ab 1869 Julius Ritter von Kink (* 21. April 1848 in Bregenz; † 25. Januar 1909 in Wien, Bestattungsdatum: 30. Juni 1909) war ein österreichischer Fabrikant, Handels- und Gewerbekammerpräsident und Abgeordneter.
Von Kink war der Sohn des 1869 in den österreichischen Adelsstand erhobenen Landesbaudirektors und Zementindustriellen Martin von Kink. Er war römisch-katholischer Konfession und heiratete 1880 Maria Theresia (Marie) von Neumann. Das Paar hatte zwei Söhne und zwei Töchter. Sein Sohn Martin Kink (1885–1973) war 1934–1938 Präsident des Wiener Industriellenverbands und 1946–1960 Präsident der Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Wien. Seine Tochter Martina von Kink, eine promovierte Mathematikerin, heiratete 1907 den Musikpädagogen Franz Haböck.
Von Kink besuchte bis 1866 das Gymnasium in Graz und danach Technische Hochschulen in Graz und Zürich. 1869 trat er in die Leitung der Zementfabrik in Kufstein (Tirol) ein. Nach dem Verkauf der Fabrik im Jahr 1872 wurde er dort Verwaltungsrat. Ab 1900 war er Vizepräsident und 1906 bis 1909 Präsident des neuen Eigentümers AG der k. k. priv. hydr. Kalk- und Portlandzementfabrik zu Perlmoos. Seit 1874 war er Gesellschafter und Geschäftsführer der „Martin Kink & Co. Heinrichsthaler Papierfabrik“ (seit 1908 in der Rechtsform einer AG) in Heinrichsthal/Jindrichov (Gemeinde Wüstseibersdorf/Pusté Žibridovice, heute Gemeinde Jindrichov, Bezirk Mährisch Schönberg/Šumperk, Mähren).
Daneben war er umfangreich in der Verbandsarbeit engagiert. 1888–1904 war er Präsident des Vereins der österr.-ungarischen Papierfabrikanten. Im Jahr 1892 war er Gründungsmitglied und Vizepräsident und 1900–1904 Präsident des Zentralverbands der Industriellen Österreichs. Zwischen 1905 und 1909 war er Präsident der Handels- und Gewerbekammer Wien. Er war 1898 bis 1905 Vizepräsident des Donau-Vereins zur Hebung der Fluß- und Kanalschifffahrt, seit 1901 Zentralverein für Fluß- und Kanalschiffahrt in Österreich. Von 1904 bis 1909 war er Direktor des Vereins der Ersten österr. Spar-Casse in Wien.
1897–1907 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses. In der IX. (27. März 1897 bis 7. September 1900) und X Legislaturperiode (31. Januar 1901 bis 30. Januar 1907) vertrat er
Niederösterreich und dort die Handels- und Gewerbekammer Wien im Abgeordnetenhaus. Im Parlament war er 1897 Mitglied im Klub Freie deutsche Vereinigung (ab dem 19. Oktober 1899 als Obmann) und ab 1901 bei der Deutschen Fortschrittspartei. Am 14. Juni 1907 wurde er zum Mitglied des
Herrenhauses auf Lebenszeit ernannt. Im
Herrenhaus gehörte er dem Klub Verfassungspartei an.
Er starb 1909 durch Selbstmord in Wien. Er ist auf dem
Zentralfriedhof (Gruppe: 14 A, Nummer: 46) in Wien begraben. Sein Grab ist ein Ehrengrab.
Agramer Zeitung vom 26.1.1909, Seite 4:
(Selbstmord des Präsidenten der Wiener Handelskammer.)
Man meldet aus Wien, 25. Jänner:
Der Präsident der
niederösterreichischen Handels-
und Gewerbekammer
Herrenhausmitglied Julius
Ritter v. Kink hat sich heute nachmittags erschossen.
Er war vormittags noch in seinem
Bureau erschienen, um verschiedene Präsidialagenden
zu erledigen, dann konferierte er mit einer Anzahl
von Persönlichkeiten. Gegen 2 Uhr nachmittags
bekam Kink, der seit Jahren schwer unterleibsleidend
war, einen überaus heftigen Anfall seines
Leidens. Er zog sich in das eigens für ihn in den
Bureauräumlichkeiten adaptierte kleine Appartement
zurück, wo er wenige Minuten später tot
aufgefunden wurde. Kink war am 21. April 1848
als Sohn des 1877 verstorbenen Oberbaurates
Martin Ritter v. Kink in Bregenz geboren. Nach Absolvierung
des Gymnasiums in Graz betrieb er einige
Jahre technische Studien in Zürich und gehörte mit
seinem Bruder und seinen zwei Schwagern seit
1875 der Papierfabriksfirma Martin Kink und
Komp. an, die im Vorjahre in eine Aktiengesellschaft
umgewandelt wurde. Der Wiener Handels-
und Gewerbekammer gehörte er seit 1885 an, seit
1904 stand er als Präsident an ihrer Spitze. Bis
zum Ablauf der letzten Legislaturperiode vertrat er
die Wiener Handels- und Gewerbekammer im
Abgeordnetenhause. Als dann die Wahlreform eingebracht
wurde, war er derjenige, der eine Aktion
bei der Handels- und Gewerbekammer einleitete,
dahingehend, die Handelskammern mögen auf ihr
Privilegium in der Reichsvertretung verzichten,
dafür aber eine starke Vertretung im
Herrenhause
verlangen. Er wurde dann bei der Schaffung des
neuen Volkshauses im Jahre 1907 in das Herrenhaus
berufen. Der Verstorbene erfreute sich infolge
seines urbanen Wesens und seiner bezwingenden
Liebenswürdigkeiten in allen Kreisen der herzlichsten Sympathien.
Neues Wiener Journal vom 26.1.1909, Seite 3:
Tagesneuigkeitrn.
Handekskammerpräsident R. v. Kink - plötzlich gestorben.
Die Wiener Gesellschaft hat einen Verlust zu beklagen, der
namentlich in den Kreisen der Industrie und des Handels schmerzliche
Anteilnahme hervorrufen wird. Gestern ist eine Persönlichkeit
aus dem Leben geschieden, die im Vordergrund des wirtschaftlichen
Lebens Oesterreichs stand und die besondere Wertschätzung
aller Kreisen der Bevölkerung genoß. Der
Präsident der
niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer,
Herrenhausmitglied Julius R. v. Kink ist gestern um 1/2 2 Uhr
nachmittags plötzlich gestorben. Ein bösartiges,
schmerzvolles Blasenleiden, an dem R. v. Kink seit einigen
Jahren litt und von dem ihn die Kunst der Aerzte nicht erlösen
konnte, hat den jähen Tod des sonst so arbeitskräftigen Mannes
herbeigeführt.
Präsident v. Kink war noch gestern vormittag in seinem
Bureau im neuen Palais der Handels- und Gewerbekammer am
Stubenring erschienen. Er erledigte einige laufende Präsidialangelegenheiten
und empfing auch im Laufe des Vormittags einige
Personen, mit denen er beruflich verschiedene Besprechungen hatte.
Um die Mittagstunde wohnte er einer Sitzung im Handelskammergebäude
bei. Während der Sitzung scheint das alte Leiden
des Präsidenten, das ihm nur kurze Stunden der Erleichterung
gewährte, in besonders heftiger Weise zum Durchbruch gelangt zu
sein. Herr v. Kink verließ nach Beendigung der Beratung den
Konferenzsaal und zog sich in einen Nebenraum im ersten Stockwerke des
Kammerpalais zurück. Nach einiger Zeit fiel es auf, daß der
leidende Präsident nicht in seinem Bureau anwesend sei. Man
wurde über seinen Verbleib beunruhigt und hielt nach dem kränklichen
Mann Umschau. Erst nach geraumer Zeit fand man den
Präsidenten in einem abgelegenen Raum tot auf. Die sofort
avisierte nahegelegene Rettungsgesellschaft war alsbald am Platze.
Die erschienenen Aerzte, der Chefarzt der Rettungsgesellschaft
kaiserlicher Rat Dr. Charas und Dr. Löwenstein,
konnten nur mehr den eingetretenen Tod konstatieren.
Bald nach dem Auffinden der Leiche des Präsidenten wurden
seine Angehörigen von dem Vorgefallenen in der schonendsten
Weise verständigt. R. v. Kink hinterläßt eine Witwe, Marie
v. Kink, geborene v. Stepsky [Irrtum ??], sowie zwei Söhne, von denen
der ältere gegenwärtig seine juristischen Studien absolviert, und
zwei Töchter, Stephanie [Bauer, geb. Kink] und Martina [Haböck, geb. Kink]. Die jüngere Tochter ist
an einen Professor des Wiener Konservatoriums verheiratet.
Ritter v. Kink litt, wie bereits erwähnt, an einem bösartigen,
qualvollen Blasenleiden. Wiederholt vorgenommene, schwere
Operationen brachten dem Kranken keine Genesung und verschafften
ihm kaum eine Erleichterung seines Leidens. Vor einiger
Zeit wurde Herrn v. Kink eine Kur im Lahmannschen
Institut zu Dresden empfohlen. Das Sanatorium
nahm den Patienten nach eingehender Untersuchung
nicht auf und empfahl ihm eine neuerliche
Operation. Herr v. Kink litt an einem Blasengeschwür, von dem
die Aerzte nicht konstatieren konnten, ob es ein harmloser Tumor
oder ein bösartiger Krebs sei. Der Kranke wurde ständig von
Schmerzen geplagt und verlor infolge des Leidens sehr viel Blut.
Herr v. Kink, der vordem das Bild eines gesunden, frischen
Mannes bot, verfiel sichtlich im Verlaufe der Krankheit. Der gestern
eingetretene plötzliche Tod bedeutete für ihn die Erlösung von unausgesetzter Qual.
Julius R. v. Kink wurde am 21. April 1848 als Sohn
des Oberbaurates Martin R. v. Kink geboren. Er absolvierte
seine Gymnasialstudien in Graz und besuchte dann das Polytechnikum
in Zürich. Er gehörte mit seinem Bruder und seinen
zwei Schwägern seit 1875 der Papierfabrikfirma Martin
Kink & Komp. an, die im Vorjahre in eine Aktiengesellschaft
umgewandelt wurde. Noch als junger Mann hatte er die
Leitung der ersten österreichischen Zementfabrik in Kufstein
übernommen, die seinem Oheim Karl Kink gehörte.
Julius R. v. Kink wurde im Jahre 1885 zum erstenmal in
die
niederösterreichische Handels- und Gewerbekammer gewählt.
Nach dem Rücktritt des Kammerpräsidenten Freiherrn v. Mauthner
erfolgte seine einhellige Wahl zum Präsidenten der Kammer. Seit
1897 vertrat er die Kammer im Abgeordnetenhause, wo er die
industrielle Vereinigung gründete. Er hielt mehrere bemerkenswerte
Reden, darunter seine Reden über den Terminhandel und
den Lloydvertrag. In den Delegationen riefen seine Reden über
die quotenmäßige Aufteilung der Heereslieferungen zwischen
Oesterreich und
Ungarn sowie über die Verkehrsprobleme
am Balkan Aufsehen hervor. R. v. Kink
war Verwaltungsrat zahlreicher Aktiengesellschaften und fungierte
als Zensor der Oesterreichisch-
ungarischen Bank. Eine rege Tätigkeit
entwickelte er ferner in verschiedenen wirtschaftlichen Korporationen.
Er war Ehrenpräsident des Zentralverbandes der Industriellen Oesterreichs
und Ehrenmitglied des österreichischen Exportvereins sowie
des Zentralvereins für Lehrlingsunterbringung. Lange Jahre hindurch
fungierte er als Handelsbeisitzer beim Handelsgerichte in Wien
und Mitglied des Zollbeirates. Außerdem war er Mitglied des
Industrierates. Für seine Wirksamkeit auf dem Gebiete des
öffentlichen Lebens wurde er vom Kaiser und fremden Monarchen
mit zahlreichen Orden ausgezeichnet. Charakteristisch für die
Wertschätzung, die unser Kaiser dem verstorbenen Präsidenten
entgegenbrachte, ist eine Episode, die sich anläßlich der Eröffnung
des neuen Palais der Handels- und Gewerbekammer im August
1907 abspielte. R. v. Kink war damals bereits krank,
so daß die Eröffnung durch den Kaiser in seiner Abwesenheit
stattfinden sollte. Der Monarch bestand jedoch darauf, daß die
Eröffnungsfeierlichkeit bis zur Genesung des Präsidenten verschoben
werde, damit sie in dessen Anwesenheit erfolgen könne.
Die Eröffnung wurde auch verschoben. Kink erholte sich auch und
es wurde ein zweiter Eröffnungstermin festgesetzt. Unmittelbar vor
diesem warf jedoch ein neuer Anfall des Leidens den Präsidenten
neuerlich auf's Krankenlager, so daß die Eröffnung in seiner
Abwesenheit vorgenommen werden mußte.
Das Leichenbegängnis Julius Ritter v. Kinks findet
Mittwoch den 27. d. M. um 2 Uhr nachmittags vom Amtsgebäude
der Kammer, I., Stubenring 8, aus statt. Die Aufbahrung
erfolgt im Empfangszimmer des Präsidenten, wo auch
die Einsegnung stattfinden wird. Die Trauerreden werden im
großen Foyer im ersten Stock der Kammer gehalten werden. Auf
dem Friedhofe selbst sind keine offiziellen Reden beabsichtigt. In
die Kondolenzbogen, die in der Kammer aufgelegt wurden, haben
sich gleich nach dem Bekanntwerden der Todesnachricht zahlreiche
hervorragende Persönlichkeiten eingetragen.
Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) vom 28.8.1927, Seite 11:
(Marie Kink gestorben.) Vorgestern ist hier Frau Marie
Kink, die Witwe nach dem Handelskammerpräsidenten,
Herrenhausmitglied Julius Ritter v. Kink, nach längerem,
schwerem Leiden in ihrem 70. Lebensjahre gestorben. Sie stammt
aus einer alten Wiener Familie und hat sich, obgleich ihr Gatte
in seiner Eigenschaft als Präsident der Handelskammer und
auch als Mitglied des österreichischen
Herrenhauses eine
hervorragende soziale Stellung einnahm, nie öffentlich betätigt. Sie
war außerordentlich musikliebend und widmete sich fast ausschließlich
ihrer Familie. Einer ihrer Schwiegersöhne ist Oberbaurat
Professor Leopold Bauer, ihr zweiter Schwiegersohn
war der seither verstorbene Professor Haböck, der an der
Musikakademie gewirkt hat. Die Verstorbene ist die Schwester
des Großindustriellen Neumann, des Besitzers der Eisenwerke
in Marktl bei Lilienfeld. Bis in ihr spätes Alter war sie
rüstig und guter Dinge. Erst vor kurzem, im heurigen Sommer,
zeigte sich ein Herzleiden bei ihr, dem sie auch erlag.
Weiters im Grab bestattet:
Marie von Kink (Maria Theresia), geb. von Neumann, Gattin, * 1858, † 26.08.1927, Bestattungsdatum: 29.08.1927
Martin von Kink, Dr., Sohn, Präsident der Wiener Handelskammer, Teilhaber der Baufirma Porr, 16.07.1885 in Purkersdorf, † 02.04.1973 in Wien, wohnhaft 9, Lazarettgasse 20, Bestattungsdatum: 06.04.1973
Quelle: Dieser Text basiert auf dem Artikel
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Bilder: www.nikles.net, Agramer Zeitung vom 26.1.1909, Seite 4, Neues Wiener Journal vom 26.1.1909, Seite 3, Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) vom 27.8.1927, Seite 29, Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) vom 28.8.1927, Seite 11.