Person - Karl Pfeiffer
Karl Pfeiffer, auch Carl Pfeiffer, bürgerlicher Handelsmann, k.k. priv. Lederfabrikant
in
Sechshaus 110-114 (heute Pfeiffergasse 1-3),
Besitzer der Pfeiffer’schen Lederfabrik bzw. Karl Pfeiffer und Sohn oder
Pfeiffer'sche Erben, k. k. deutsche Saffian- und Leder-Fabrik,
* 1764, † 22.07.1836 in
Sechshaus, zuletzt wohnhaft: 3., Landstraße Nr. 62.
Karl Pfeiffer eröffnete um 1790 in
Sechshaus die erste Lederfabrik.
Er erhielt am 28.9.1827 für fünf Jahre das Privileg auf eine Maschine,
welche gefärbte und ungefärbte Lederstoffe aller Art, verarbeiten konnte und zudem kinderleicht zu bedienen war.
Dieses Privileg wurde 1832 um weitere fünf Jahre verlängert.
Ein Jahr vor seinem Tod legte er dieses Privileg freiwillig zurück (Kais. Königl. Schlesische Troppauer-Zeitung vom 3.8.1835, Seite 9).
Die Fabrik wurde von seinem gleichnamigen Sohn weitergeführt.
Die Identadresse von Pfeiffergasse 1-3 lautet auf Diefenbachgasse 2 (bis 1894 Plankengasse), dies ist kein Zufall:
Heinrich Diefenbach war über viele Jahrzehnte hindurch in gehobener Firmenfunktion bei Karl Pfeiffer tätig.
Er zeichnete sich vor allem durch vorzügliche Kenntnisse im Gerbereiwesen aus,
welche sich die Pfeiffer'sche Lederfabrik zu Nutze machen konnte und so zu einem guten Geschäftsgang
samt Auszeichnungen mit einer Goldmadaille bei der "Gewerbs-Producten-Ausstellung" im September 1835 führte.
Sein Schwager, der Fabrikant
Adolph Heinrich Suess,
übernahm die Firma seines erkrankten Schwagers Karl Pfeiffer und baute das Unternehmen
mit weiteren Niederlassungen in Wien und Pest (
Budapest)
erfolgreich aus. Seine Produkte wurden 1845 bei der Gewerbe-Ausstellung in Wien sowie 1851 und 1862
bei den Weltausstellung in London mit Medaillen ausgezeichnet.
Ab 1859 führten seine Söhne Friedrich und Dr. Emil Sueß das Unternehmen als A. H. Sueß & Söhne weiter.
Nachkommen:
Karl Pfeiffer (Sohn), Saffianleder-Fabrikant und Handelsmann.
Julie Rasalia Pfeiffer (Ehefrau von Karl Pfeiffer, Sohn), geb. Zdekauer, k. k. privil. Lederfabrikantens-Ehegattin, Kaufmanns-Gattin, * 14.11.1811 in Prag, † 11.04.1862, 50 Jahre, Heirat 1833 im Alter von 21 Jahren, 1., Stadt Nr. 931 (Ballgasse 931, heutige Ballgasse 4).
Eduard Pfeiffer (Sohn von Karl Pfeiffer, Sohn), † 12.05.1842, 2 Jahre alt, Gehirnhöhlenwassersucht, Wollzeile 773.
Karl Borromäus Julius Edler von Pfeiffer (Enkel), * 06.04.1834 in Wien, † 29.09.1902 in Graz (Ehefrau Anna Edle von Pfeiffer, geb. Columbus).
??? Anna Pfeiffer, Fabrikantens-Gattin, 03.01.1845, 56 Jahre (Wiener Zeitung vom 9.1.1845, Seite 5).
Ehrungen:
Pfeiffergasse in
Sechshaus, benannt (Datum unbekannt) nach dem Unternehmer Karl Pfeiffer.
Mit 13. Juli 1894 wurde vom Wiener Stadtrat beschlossen, die Pfeiffergasse in Rebhanngasse umzubenennen.
Dieser Beschluss wurde jedoch mit 9. November 1894 wieder rückgängig gemacht.
Goldene Medaille auf der ersten "Gewerbs-Producenten-Ausstellung" in Wien im September 1835 an die Inhaber der Firma Carl Pfeiffer und Sohn, Niederlassung Wollzeile Nro. 869.
Brünner Zeitung der k.k. priv. mähr. Lehenbank vom 19.12.1827, Seite 5:
Ausschließende Privilegien.
Dem Karl Pfeiffer, Lederfabrikant in Wien,
Landstraße
Nro. 51, für die Dauer von fünf Jahren, auf
auf die Erfindung; 1) alle Gattungen gefärbten und
ungefärbten Saffians als: Bock-, Gais-, Kitz-, Schaf-
und Lammfelle, mittelst einer Maschine, die entweder durch
Menschen-, Thier-, oder durch Feuerkraft in Bewegung
geletzt wird, viel schöner und gleichförmiger zu glänzen
und zu appretiren, und diese Arbeit selbst durch ein
Kind von 10 Jahren zu bewirken; 2) die obbesagten
Saffian-Arten auf eine sehr einfache zweckmässige uud
schnelle Art zu trocknen, wodurch die Schönheit sowohl
als die Qualität des Leders verbessert, und der Preis
herabgesetzt werde.
K. K. priv. Prager Zeitung vom 21.9.1832, Seite 5:
In Folge des herabgelangten. hoh. Hofkanzleidekrets
vom 12. v. M. Zahl 17340, wird hiermit zur
allgemeinen Kenntniß gebracht: Daß über Ansuchen
des Lederhändlers zu
Sechshaus, Karl Pfeiffer, das
demselben unterm 28. September 1827 verliehene fünfjährige
Privilegium, auf die Erfindung, alle Gattungen
gefärbten und ungefärbten Saffians mittelst
Anwendung einer Maschine schöner und gleichförmiger
zu glänzen und zu appretiren, wie auch dieselben auf
schnelle Art zu trocknen, auf weitere 5 Jahre verlängert worden ist.
Prag den 4. September 1832.
Der Bote von Tirol vom 21.1.1836, Seite 8:
Kundmachung.
Gemäß Inhalt des hohen Hofkanzlei-Dekretes vom 8. d.
M., Z. 20544, ist nach einer Eröffnung der hohen k. k. allgemeinen
Hokammner vom 4. v. M., das dem Lederfabrikanten
Karl Pfeiffer aus Wien unterm 28. September 1827 auf
das Appretiren, dann das Trocknen des Saffianleders verliehene
Privilegium hinsichtlich des zweiten Punktes, nämlich der
Trocknungsmethode, aus Mangel der Neuheit für ungültig erklärt worden.
Dies wird hiemit öffentlich zur Kenntniß gebracht.
Innsbruck, den 22. Aug. 1835.
K. K. Landesgubernium für Tirol und Vorarlberg.
Karl Graf v. Wolkenstein, k. k. Gub-Sekretär.
Vereinigte Ofner-Pester Zeitung vom 4.8.1836, Seite 7 und 8:
Industrie und Gewerbe. (Aus der Wiener Ztg Nro 169 d.J.)
"Die k.k. privilegirte Leder-Fabrik von Carl Pfeiffer und Sohn."
„Bey dem immer steigenden Flor unserer Industrie, vorzüglich des Fabrik, und Manufakturwesens
im Oesterreichischen Kaiserstaate, können nur die ausgezeichnetsten Anstalten dieser
Art von Zeit zu Zeit besprochen werden. Unter den vielen immer mehr emporblühenden industriellen
Instituten nimmt nun die k. k. privilegirte Leder-Fabrik von Carl
Pfeiffer und Sohn (Niederlage in Wien, Wollzeile, Nro 869,) einen bedeutenden
Rang ein. Durch fortwährende Versuche und eigene gediegene Sachkenntniße
sowohl der mercantilischen als chemischen und technischen Hülfsmittel, hat diese Fabrik
schon vor vielen Jahren in der Lederfärberey zuerst dem Tribute des Auslandes sich entzogen
und eine in diesem Zweige hier noch nie gekannte Vollenduug darin hergestellt. Ermuthigt
durch diese gelungenen Versuche haben die Unternehmer immer weiter gestrebt, und diese Fabrik
gegenwärtig auf einen Standpunkt gebracht, aus dem ihr, selbst im Auslande, vielleicht
nur wenige an die Seite gesetzt werden können. Das feinere Leder, ehemals nur vom
Auslände bezogen, besonders Saffian, wird da nunmehr in bester Qualität producirt; eine
höchst sinnreiche zweckmäßige Maschine wurde von den unermüdlich thätigen Unternehmern
eingeführt, die zur Spaltung der Felle dient, wodurch der obere glatte Theil als Saffian
von Hntmachern und Galanteriearbeiken ec gebraucht, der untere rauhe aber von Handschuhmachern,
Weißgärbern ec zu verschiedenen Gegenständen, dann zu Futterleder verarbeitet
wird. Auch führten sie vor Kurzem eine neue Lackirung in ihrem Etablissement ein, welche
nach der Aussage der Sachverständigen an Schönheit und Dauer jede ausländische,
ja sogar die Englische Lackirung übertrifft. Erhebend ist es für den Vaterlandsfreund,
zu bemerken, daß durch die Leistungen dieser Fabrik nicht allein gegen 300 Menschen unmittelbar
beschäftiget, dem Inlande bedeutende Summen zugewendet und die Einfuhren fremder
Erzeugnisse verringert werden, sondern auch, daß das Ausland verschiedene Manipulationen in
der Leder-Erzeugung uns nachzuahmen beginnt. Selbst in den Stoffen hat die Pfeiffer'sche Un-
ternehmung wesentliche nützliche Neuerungen bewirkt; anstatt wie früher bloß Türkisches Leder
zu Saffian zu verwenden, bezieht diese Fabrik ihren größten Bedarf nun aus
Ungarn und
Siebenbürgen, wohl jährlich an 40 bis 60,000 Stück Schaf- und Bockhäute, was für die
dortigen Producenten eben so ersprießlich, als für den Activ-Handel überhaupt ist. Die Fabriks-Locale
im Dorfe
Reindorf bey Wien sind höchst sehenswerth; es befinden sich daselbst bey 70
Maschinen verschiedener Art, ein artesischer Brunnen, unterirdische Canäle ec. Die sämmtliche
Einrichtung ist dem ununterbrochenen regen Geschäftsgange auf das Angemessenste construirt.
Bey der im verflossenen September Statt gehabten ersten Gewerbs-Producenten-Ausstellung
in Wien hatten sich die Erzeugnisse dieser Fabrik, besonders der Saffian, in allen
Farben des allgemeinen Beyfalls zu erfreuen, und die Inhaber wurden zu verdienter Anerkennung
und Aufmunterung mit der goldenen Medaille beehrt."
Wiener Zeitung vom 6.8.1836, Seite 4:
Hr. Carl Pfeiffer, bürgerl. Handelsmann, k. k. landesbefugter
Saffian- und Lederfabriks-Inhaber, dann
Hauseigenthümer Nr. 62 auf der Landstraße, alt
71 Jahr, starb den 22. Julius d. J. zu
Sechshaus, am Durchfall.
Wiener Zeitung vom 6.6.1842, Seite 4:
Heinrich Diefenbach besorgt seit 26 Jahren
in der Lederfabrik des Herrn Carl Pfeiffer und Sohn
in
Sechshaus die Oberleitung dieser ausgedehnten
Werkstätte. Seinen ausgezeichneten Kenntnissen, besonders
in der Färberey, verdanken diese Fabrikanten
größten Theils den blühenden Zustand ihres Geschäftes
und die Auszeichnung mit der goldenen Medaille
die ihnen bey der Gewerbs-Producten-Ausstellung zu
Theil geworden ist. Die Verdienste des Diefenbach
werden durch ein sehr ehrenvolles Zeugniß der Ortsbehörde gewürdiget.
Die Grabstelle befindet sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 158a).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: Brünner Zeitung der k.k. priv. mähr. Lehenbank vom 19.12.1827, Seite 5, K. K. priv. Prager Zeitung vom 21.9.1832, Seite 5,
Der Bote von Tirol vom 21.1.1836, Seite 8,
Vereinigte Ofner-Pester Zeitung vom 4.8.1836, Seite 7 und 8,
Wiener Zeitung vom 6.8.1836, Seite 4,
Wiener Zeitung vom 6.6.1842, Seite 4.