Person - Vincenz Lehndorfer
Vincenz Lehndorfer, Realitätenbesitzer, Inhaber vom "Gasthof zum goldenen Engel" an der heutigen Adresse Am Spitz 2,
† 25.10.1885 im 85. LJ.
Hinweise zum "Gasthof zum goldenen Engel" von Vincenz Lehndorfer sind in den historischen Zeitungen in den 1860-er Zeitungen zu finden.
Im Jahr 1891 war das Ledorfer'sche Einkehrgasthaus an Franz Götz verpachtet (Linzer Tages-Post vom 17.3.1891, Seite 4).
Das alte Einkehrgasthaus zum goldenen Engel war 1911 unter dem Besitzer Georg Ott zum Abriss vorgesehen
(Floridsdorfer Zeitung vom 12.8.1911, Seite 2).
Ab ca. 1912 ist auch von einem Hotel "zum goldenen Engel" an dieser Adresse zu lesen. Das Wirtshaus befand sich an der Ecke Hauptstraße, jetzige
Brünner Straße und Schloßhofstraße 2,
jetzige Schloßhofer Straße (Wiener Zeitung vom 26.4.1903, Seite 4). Die jetzige Adresse lautet: Am Spitz 2.
An der markanten Straßengabelung (dem "Spitz") stand ab etwa 1786 das Spitzer Gemeindegasthaus „Zum goldenen Engel“.
Es diente damals nicht nur als Gasthaus,
sondern bei den berüchtigten
Donau-Überschwemmungen auch als wichtiger Zufluchtsort für die Bevölkerung.
Lehndorfer Hof: Der Lehndorfer Hof ist ein Wohn- und Geschäftshaus und befindet sich Am Spitz 2 im Bezirkszentrum
Floridsdorf,
es entstand in den Jahren 1906-1908 (vorher Gemeindehaus bzw. oft auch als Gemeindegasthaus bezeichnet "Zum goldenen Engel").
Der Name geht historisch auf den Realitätenbesitzer Vincenz Lehndorfer zurück.
Fremden-Blatt vom 5.1.1866, Seite 19:
...
Der Nordbahntrain fährt von Wien Früh 7 Uhr
15 Min. nach Floridsdorf, alldort in Herrn
Vincenz
Lehndorfer's Gasthofe zum goldenen Engel werden
Fahrgelegenheiten bereit stehen, mit welchen die Herrn Gäste
zur Lizitation und wieder retour um den Preis zu 1 fl.
per Person fahren können. ...
(Linzer) Tages-Post vom 17.3.1891, Seite 4:
(Verhaftung zweier Sicherheitswachmänner.) Aus Wien wird unter dem 14. d. M. berichtet
Seit dem mehr als zwanzigjährigen Bestände unserer Sicherheitswache
sind, zur Ehre derselben sei es gesagt, die Falle sehr
vereinzelte, daß Mitglieder dieses mehrtausendköpfigen Instituts
sich eines Eigenthumsverbrechens schuldig gemacht hätten. In
unzählbaren Fällen haben die Mitglieder unserer Sicherheitswache
glänzende Proben ihrer unerschütterlichen Pflichttreue,
ihrer Unbestechlichkeit und ihrer Selbstlosigkeit gegeben. Um so
peinlicher muß es berühren, wenn zwei Angehörige dieses Corps
aus der Art schlugen und so tief sanken, daß sie zu Dieben
wurden. Dieser seltene und größtes Aufsehen erregende Fall hat
sich am letzten Donnerstag in
Jedlesee zugetragen. Seit einem Jahre
laufen bei dem Pächter des
Ledorfer'schen Einkehrgasthauses in
Jedlesee Nr. 37 Herrn Franz Götz von Bauern und Marktleuten,
welche auf der Fahrt nach den Wiener Märkten ihre
mit Consumartikeln beladenen Wagen des Nachts bei ihm eingestellt
hatten, Beschwerden ein, daß ihnen in seinem Gasthause
Waren gestohlen werden. Die Marktleute beklagten den Abgang
von Fleisch, Eiern, Schmalz, Butter und anderen Victualien.
Alle Bemühungen des Gastwirtes, der Thäter habhaft zu
werden, blieben erfolglos; ein Umstand, der für ihn um so
folgenschwerer war, als hiedurch der Bestand seines Geschäftes
gefährdet erschien, denn das Einkehrgasthaus war allmählich
bei den Marktleuten so in Mißcredit gekommen, daß es von
ihnen gemieden wurde. Herr Götz stellte nun an die Sicherheitswachmänner,
deren Wachstube sich im Hause des Einkehrwirtshauses
befindet, das Ersuchen, den Hof des letzteren
während der Nachtstunden schärfer zu überwachen. Trotzdem
dies nun geschah, hatten die Diebstähle nicht abgenommen. Es
wurden einige Bedienstete des Wirtes und Insassen des Hauses
der That verdächtigt, doch konnte keiner derselben eines Diebstahls
überwiesen werden. Dem Hausknechte Johann Maier
war es aber aufgefallen, daß Diebstähle zumeist nur in jenen
Nächten vorkamen, in denen die beiden Wachmänner Josef
Kainz und Georg Pobeschim im Dienste waren. Der Hausknecht
beschloß nun, diese zu überwachen. Vorgestern nachts
hatten die genannten Wachmänner wieder Dienst. Mater begab
sich auf die Lauer. Er verkroch sich in "einem mit Fleisch beladenen
Wagen eines Fleischhauers aus Kadolz, der die Ware
nach Wien bringen wollte. Dort lag er regungslos auf der
Wache, um ja nur kein Lebenszeichen von sich zu geben. Da
plötzlich vernahm er Schritte, sodann ein leises Gespräch, wie:
„Da ist nichts, da sind nur Kälber," Jetzt näherte man sich
dem Wagen. Die denselben deckende Plachen wurden, nachdem
deren Schnüre durchschnitten waren, gelüftet, und während der
eine aus einer Fleischmasse einen Klumpen herausschnitt, faßte
der andere den Fuß des Hausknechtes. In diesem Momente
sprang dieser in die Höhe, machte Lärm und faßte den Dieb;
es war Josef Kainz, während Pobeschim sich rasch ans dem
Staube machte. Kainz wollte nun, um den Verdacht der Thäterschaft
von sich abzulenken, den Hausknecht als den Dieb verhaften;
doch dieser betheuerte seine Unschuld, woraus Herr Götz
von dem Vorfalle das Polizeicommissariat Floridsdorf in
Kenntnis setzte. Es wurde sofort eine Untersuchung eingeleitet
und bei dem verheirateten Kainz und dem im Concubinate
lebenden Pobeschim Revisionen vorgenommen. Diese lieferten
Beweise der Schuld der beiden Wachmänner, in deren
Wohnungen man allerlei von den Wagen gestohlene Victualien
fand. Josef Kainz und Georg Pobeschim wurden vom Dienste
suspendiert, in Haft genommen und gestern dem Kreisgerichte
Korneuburg eingeliefert.
Wiener Zeitung vom 26.4.1903, Seite 4:
...
Das Stift gab zunächst 6500 fl. Darlehen zur Erbauung
eines Gemeindewirtshauses am Eck der jetzigen Haupt-
(Brünner-) und Schloßhofstraße, und dieses Wirtshaus
war nachmals lange im Besitz der Familie Lehndorfer,
namentlich des wohlbeleibten biderben Vinzenz Lehndorfer,
der noch heute bei vielen älteren Floridsdorfern
in guter Erinnerung steht. ...
Weiters im Grab bestattet:
Theresia Lehndorfer, geb. Lebner, Wirtschaftsbesiters-Witwe, † 11.12.1887 im 76. LJ., Bestattungsdatum: 13.12.1887,
Jedlesee Nr. 37
Vincenz Lehndorfer, Gastwirt, * 04.08.1832 in
Jedlesee, † 02.08.1891 im 60. LJ., Jedlesee Nr. 37, Heirat am 14.02.1860 mit Anna Rampp ?, * 12.xx.1833
Ignaz Purschke, um 1814 in Nikolsburg in Mähren, † 14.11.1880 im 66. LJ., Bestattungsdatum: † 16.11.1880, Radetzkystraße 6
Marie Viditz, * 23.08.1870, † 21.06.1872
Herbert Stummer, * 03.03.1893, † 17.04.1893
Karl Stummer, Wirtschaftsinspektor, * 26.01.1854 in Gutenbrunn, † 03.01.1941
Lorenz Lebner, Fleischhauermeister, * um 1788, † 22.10.1834 im 46. LJ.
Theresia Lebner, † 01.01.1864 im 73. LJ.
Elise Lebner, † 28.02.1841 im 26. LJ.
Die Grabstelle (auf Friedhofsdauer) befindet sich am
Jedleseer Friedhof (Gruppe: 3, Reihe: MW, Nummer: 13).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: www.nikles.net,
Matricula Online, Pfarre Jedlesee, Index Tote, 1787-1893, Seite 77,
Matricula Online, Pfarre Jedlesee, Sterbebuch 1872-1892, Seite 148,
Matricula Online, Pfarre St. Othmar unter den Weißgerbern, Sterbebuch 1876-1880, Seite 214,
Wiener Zeitung vom 26.4.1903, Seite 4,
Matricula Online, Pfarre Floridsdorf, Trauungsbuch 1854-1862, Seite 137,
(Linzer) Tages-Post vom 17.3.1891, Seite 4,
Verlag Josef Popper, Wien II., Taborstraße 26.