18. Bezirk - Gasthaus zum Ganserlberg
Das Gasthaus zum Ganserlberg, auch Ganserlburg genannt, befand sich an der Ecke Schumanngasse und Martinstraße
im 18. Wiener Gemeindebezirk
Währing, auf dem sogenannten
Ganserlberg.
Die frühere Adresse lautete: Währing Nr. 159.
1843 kaufte der wohlhabende
Rudolph Edelmayer (auch Edelmeier, Edelmeyer genannt, Wirt und Hausinhaber in Währing Nr. 159, † 30.11.1849)
an der Grenze zwischen
Hernals und
Währing auf einer Anhöhe, dem Geiselberg,
später
Ganserlberg genannt, einen Grund zur Errichtung seines Hauses.
Er eröffnete dann ein stattliches Wirtshaus, dessen schöner Garten, von Kastanienbäumen beschattet, bis zur heutigen
Blumengasse hinabging. Im Hofe des Wirtschaftsgebäudes befand ein umfangreicher Gänsestall. Im Fasching
wurden im großen Saale des „Etablissements", gemütliche Bälle abgehalten, bei denen auch oft die Kapelle Morelly die Tanzmusik besorgte.
Wie man den damaligen Zeitung entnehmen kann, erlangten die Gänsebraten lokale Berühmtheit.
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in Arbeit
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Chronologie (unvollständig):
02.09.1862: Feuer im Gasthaus zum Ganserlberg. Es brannte ein Trakt der Gassenfrout des Gasthauses „zum Ganserlberg" ab.
23.04.1864: Das Gasthaus zum Ganserlberg ist mit oder ohne großem Weinlager zu übernehmen.
20.01.1878: Das Ganserlberg-Gasthaus steht, nebst vielen schönen Wohnungen zum Verkauf.
01.11.1887: Adaptierung zu einem Gebetshaus der evangelischen Gemeinde.
13.08.1888: Einweihung eines neuen evang. Gotteshauses, Martinsstraße Nr. 25 (Wiener Montags-Journal vom 13.8.1888, Seite4).
Österreichisches Morgenblatt; Zeitschrift für Vaterland, Natur und Leben vom 29.5.1844, Seite 4:
Der Gänseberg und die Gänseburg bei Wien.
Vielen unserer Leser, ja dem größten Theil der Bewohner Wiens
dürfte dieser Gänseberg bei Wien unbekannt sein und dennoch eritiert er
und das Haus, von welchem er seinen Namen erhielt, wird von einer unzahl von Gästen besucht.
Dieser sogenannte Gänse- oder wie der Wiener sagt: „
Ganserlberg,"
ist aber auch keineswegs ein Berg sondern vielmehr ein Hügel, und das
einer der kleinsten die es gibt, zwischen den Wege von
Hernals und
Währing. Erst im vorigen Jahre baute ein sehr wohlhabender Einwohner
des ersteren Ortes, Namens:
Edelmayer, ein ziemlich weitläufiges Gebäude
mit einem großen Hofe auf die benannte Stelle, in welch ersterem
er Wein schenkt in letzterem aber eine Heerde Gänse zu schmackhaften Braten
für sein Gäste großzieht. Die Anzahl dieser Gänse dürfte sich in manchen
Jahreszeiten auf 6- bis 700 belaufen, denn wie auch das mordlustige
Messer der Schlächterinnen unter diesen Nachkommen der einstigen
Retter des Capitols wüthe, werden die Abgängigen alsogleich durch neue
Confribirte aus
Ungarn ersetzt.
Von diesen Gänsen nun, welche in einem eignen Pferche des weitläuftigen
Hofes bei Hühnern und andern Consorten ihrem Opfertode entgegensehen,
erhielt jener Hügel im Munde des Volkes den Namen des
Gänseberges, jene Gasthausräume aber, nach denen die Hernalser Gastwirthe
und Schenken mit neidischen Augen hinaufsehen, den: der „Gänseburg."
Zur Nachricht für alle diejenigen die mit dem Berliner einerlei
Meinung sind, der da sagte: Eine jutjebratene Jans ist eine jute Jabe
Gottes.
Wiener Zeitung vom 17.7.1850, Seite 28:
Sieben Bauplätze am
Ganserlberg.
Gleich oberhalb des Gasthauses am Ganserlberg zwischen
Herrnals und
Währing sind 7 Bauplätze, an der Straße
gelegen, zu verkaufen. Näheres erfährt man bei der Eigenthümerin
Frau Maria Edelmayr, im
Gasthause zum Ganserlberg.
Wiener Zeitung vom 4.9.1862, Seite 11:
Bei dem Brande des Gasthauses „zum Ganserlberg"
in Hernals wurden gestern 120 Stück Gänse,
300 Stück Enten und Hühner und 30 Metzen Hafer
ein Raub der Flammen.
Fremden-Blatt vom 21.2.1864, Seite 17:
Das so sehr bekannte Gasthaus mit schönem Garten
und Salon „zum Ganserlberg" nächst der Hernalser Linie
ist mit oder ohne großem Weinlager zu Georgi 1864
zu übernehmen. Näheres bei Herrn Karl Wimmer, Gastwirth
daselbst, oder von 9—11 Uhr, Stadt, Judenplatz
Nr. 9, 3. Stock.
Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) vom 20.1.1878, Seite 18:
Das ehemalige Ganserlberg-Gasthaus,
mit einem großen Saal, nebst vielen schönen Wohnungen, Keller auf 7000 Eimer,
Stallungen, Wagenremise und Garten, sehr großer Hofraum,
60 Klaster Gassenfront, im Ganzen 860 Qu.-Klstr. ist sehr billig zu verkaufen.
Näheres: Währing, Martinsstraße Nr. 19, 1. Stock, Thür 17.
Illustrirtes Wiener Extrablatt vom 13.11.1887, Seite 17:
(Neue Predigtstation in
Währing.) In der
vergangenen Woche begann die Adaptirung des altbekannten
früheren Gasthauses »zum Ganserlberg« in der
Martinsstraße. Dasselbe ist von der evangelischen
Gemeinde A. C. angekauft und wird vorläufig in eine provisorische
Piedigtstation umgewandelt, bis die Mittel der
Gemeinde einen würdigen Kirchenbau gestatten. Die
Predigtstation umfaßt einen Betsaal mit 160 Sitzplätzen;
außer den Stehplätzen, eine Vicars- und Küsterwohnung,
sowie ein Zimmer für den Religions-Unterricht. Zunächst
dürfte dort Herr Vicar Fr. Walther aus Stuttgart
wirken, dessen hoffentlich definitive Wahl heute Sonntag
den 13. d. und morgen Montag den 14. d. beendet wird.
Deutsches Volksblatt vom 25.8.1912, Seite 6:
In dem gemütlichen „Alt-Wien" gab es auch einen
„Ganserlberg", im
18. Bezirke, an jener Stelle, wo
heute die
evangelische Kirche sich erhebt, in der Martinstraße.
Auf der Anhöhe, welche genau die Grenze zwischen
Hernals
und
Alt-Währing bildete, standen drei große Akazienbäume,
von Barrieren umschlossen. In den Vierzigerjahren des
vorigen Jahrhunderts eröffnete dort der
Hernalser Bürger
Edelmayer ein stattliches Wirtshaus, dessen schöner
Garten, von Kästanienbäumen beschattet, bis zur heutigen
Blumengasse hinabging. Im Hofe jenes Wirtschaftsgebäudes
stand ein umfangreicher Gänsestall und aus allen Vorstädten,
aber auch aus der
Inneren Stadt kamen zahlreiche Gäste in
diese „Ganserlburg" zu schmackhaftem Gänsebraten und
unverfälschtem Oesterreicher Wein. Im Fasching
wurden im großen Saale des „Etablissements", wie man
heute sagen würde, gemütliche Bälle abgehalten, bei denen
oft die Kapelle Morelly die Tanzmusik besorgte. Zu
diesen Ballfesten kam auch feines Publikum; die Honoratioren
von
Hernals,
Währing und
Döbling und Stammgäste aus
der
Innern Stadt fehlten nicht. Der Weg zur Ganserlburg,
die Martinsgasse aber, wurde einfach der „Ganserlberg" genannt.
Neues Wiener Tagblatt (Wochen-Ausgabe) vom 27.3.1942, Seite 7:
In das gemütliche Altwien paßte auch der „Ganserlberg"
im
18. Bezirk. Auf der Anhöhe, die die Grenze zwischen
Hernals
und
Währing bildet, standen drei große Akazienbäume. In den
vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eröffnete dort
der Hernalser Bürger
Edelmayer ein stattliches Wirtshaus,
dessen schöner Garten, von Kastanienbäumen beschattet, bis
zur Blumengasse hinabging. Im Hof jenes Wirtschaftsgebäudes
stand ein umfangreicher Gänsestall, und aus allen Vorstädten,
aber auch aus der
Innern Stadt kamen zahlreiche Gäste in diese
„Ganserlburg" zu schmackhaftem Gänsebraten und unverfälschtem
Wein. Im Fasching wurden im großen Saal Bälle
abgehalten. Der Weg zur „Ganserlburg", die Martinstraße,
wurde einfach der „Ganserlberg" geheißen.
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: Österreichisches Morgenblatt; Zeitschrift für Vaterland, Natur und Leben vom 29.5.1844, Seite 4,
Wiener Zeitung vom 17.7.1850, Seite 28,
Wiener Zeitung vom 4.9.1862, Seite 11,
Fremden-Blatt vom 21.2.1864, Seite 17,
Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) vom 20.1.1878, Seite 18,
Illustrirtes Wiener Extrablatt vom 13.11.1887, Seite 17,
Deutsches Volksblatt vom 25.8.1912, Seite 6,
Neues Wiener Tagblatt (Wochen-Ausgabe) vom 27.3.1942, Seite 7.