Person - Anton Martinetti
Anton Martinetti, auch Antonio Martinetti, Architekt, * 16.01.1812 in Barbengo, Tessin, Schweiz, † 28.02.1856 im 44. LJ, Bestattungsdatum St. Marx: 01.03.1856,
Bestattungsdatum in
Grinzing: 15.05.1908 zuletzt wohnhaft: 3., Heumarkt-Glacis Nr. 501 (Landstraße Nr. 501).
Verheiratet mit Susanna Martinetti, geb. Gratzel (auch Gratzl), * um 1819, † unbekannt,
Bestattungsdatum am
Grinzinger Friedhof: 15.05.1908.
Kinder:
Susanna Josepha Martinetti, * 1842, † unbekant.
Joseph Jacob Franz Martinetti, * 1843, † unbekant, Bauunternehmer ?
Emerich Peter Martinetti, * 1843, † unbekant.
Susanna Antonia Birgitta Gugitz, geb. Martinetti-Isella, * 08.10.1849, † 1929, Architektens-und Direktors-Witwe,
Ehe am 09.06.1874 in Döbling (Carinthia 1884, Nr. 6, Seite 91) mit
Gustav Adolf Gugitz (* 10.05.1836, † 17.07.1882).
Bauten (unvollständig):
1845: Hotel in Bad Ischl (Ehemaliges Hotel Elisabeth, Residenz Elisabeth an der Traun, Stifterkai 1, Bad Ischl), am Ufer der Traun, Plan und Ausführung von Anton Martinetti.
1846: Das
Café Mozart am Albertinaplatz 2 wurde durch den Architekten Martinetti 1846 völlig umgestaltet, wobei an Marmor, Mahagoni sowie Tapezierung mit rotem und grünem Samt nicht gespart wurde.
Wiener Zeitung vom 8.4.1856, Seite 27:
Verlaßansprecher nach Herrn Anton Martinetti.
Von dem k. k. städtisch-deleg. Bezirksgerichte Landstraße
in Wien wird hiemit bekannt gegeben:
Es sei Herr Anton Martinetti, Architekt zu Wien,
Nr. 501 auf der Landstraße wohnhaft, nach Barbengo,
Kanton Tessin in der Schweiz zuständig, hier am 28ten
Februar 1856 mit Hinterlassung eines Testamentes gestorben.
Es haben demnach alle Diejenigen, welche als Erben,
Vermächtnißnehmer, oder Verlassenschaftsgläubiger auf
dessen Nachlaß einen Anspruch stellen zu können glauben,
im Sinne des $. 139 des kais. Patentes vom 9. August
1854, den 28. April 1856 Früh 9 Uht so gewiß hierorts
zu erscheinen, oder bis dahin ihre Ansprüche geltend zu
machen, widrigens für ihre bezeichneten Rechte hierorts
weiter keine Sorge getragen, und die Abhandlung nach
Anton Martinetti der zuständigen Behörde des Kantons
Tessin überlassen werden würde.
Wien am 17. März 1856.
Parte:
Susanna Martinetti, geborne Gratzel, gibt in ihrem und im Namen ihrer Kinder: Josef und Susanna, sowie
ihrer Herren Schwäger: Jakob, Carl und Peter Martinetti, sämmtlich Grundbesitzer in der Schweiz, Nachricht
von dem höchst betrübenden Ableben ihres innigst geliebten Gatten, respective Vaters und Bruders, des Herrn
Anton Martinetti,
Architekt,
welcher am 28. Februar 1856 Mittags 12 Uhr, nach einer langwierigen, schmerzhaften Krankheit und empfangenen
heiligen Sakramenten der Sterbenden, im 44. Jahre seines Alters selig in dem Herrn entschlafen ist.
Der Leichnam wird Samstag den 1. März um halb 5 Uhr Nachmittag vom Hause Nr. 501, Heumarkt-Glacis,
in die
Pfarrkirche zu St. Rochus und Sebastian geführt, allda feierlich eingesegnet und sodann auf dem
St. Marxer Friedhofe im eigenen Grabe zur Erde bestattet werden .
Das heilige Requiem wird Montag den 3. März Vormittag um 10 Uhr in der italienischen
Nationalkirche am Minoriten-Platz
abgehalten, die übrigen heiligen Messen aber werden in verschiedenen Kirchen gelesen werden.
Wien, den 29. Febrnar 1856.
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 12.4.1845, Seite 3:
(Das neue Hotel in Ischl.) Von Jahr zu Jahr
verstärkt sich der Besuch des freundlichen Badeortes Ischl. Außer
den unbestreitbaren Heilkräften der Salinenbäder, der dortigen Quellen,
u. s. w. hat ganz gewiß die herrlihe Lage des Ortes, die reizende
Umgebung desselben einen nicht geringen Antheil an dieser
Frequenz. Nicht nur Kranke und Leidende erscheinen daselbst, um
Heilung oder Linderung ihrer Uibel zu suchen, auch der Freund der
schönen Gebirgsnatur wandelt gerne an den Ufern der alpengebornen
Traun, an dem schönen Spiegel der Gebirgsseen, an den Felsen-
und Gletscherwänden des Dachsteins, auf der weithin schauenden
Kuppe des Schafberges. So hat das schöne Ischl Attractionskraft
für Jederman, für Gesunde, wie für Kranke, und es ist daher natürlich,
daß das Zuströmen der Reisenden immer stärker wird. -
Nun ist zwar seit mehreren Jahren nach allen Richtungen große
Thätigkeitin der Verschönerung des Badeortes rege geworden.
Anstalten zum Vergnügen und zur Bequemlichkeit der Badegäste und
Reisenden sind in das Leben getreten, aber noch immer fehlte es an
einem Hauptbedürfnisse, - an einem wohleingerichteten, großen Hotel
für hohe Standespersonen, und das comfortliebende Publikum,
und die Art und Weise, wie man sich in dieser Beziehung in Ischl
behelfen mußte, war in keiner Hinsicht geeignet, den Genuß zu erhöhen,
welchen Fremde bei einem Aufenthalte in diesem Orte erwarteten.
Jetzt auch diesem Bedürfnisse abgeholfen. Der unternehmende Hr.
Felice Tallachini hat in dem Badeorte ein großes Hotel erbauen
lassen, welches in jeder Rücksicht geeignet scheint, allen Anforderungen
der Reisenden, auf bequeme und elegante Unterkunft zu
entsprechen. - Schon die Wahl des Platzes war äußerst glücklich.
An der belebtesten Promenade des Badeortes, am freundlichen Ufer
der Traun, gerade der Brücke gegenüber erhebt sich das prachtvolle,
palastähnliche Gebäude des Hotels, mit der einen Fronte gegen den
Strom, mit der andern gegen die Pfarrgasse gekehrt. Die dritte
Fronte ist einer neugebildeten Gasse zugekehrt, welche den Namen
Tallachinigasse erhielt. Die Ausführung des Gebäudes geschah
nach den Planen, und unter der Leitung des Architekten, Hrn.
Antonio Martinetti, und dieses wirklich prachtvolle Bauwerk, welches
jeder Hauptstadt zur Zierde gereichen würde, ist ein glänzender
Beweis der Geschicklichkeit, und des Talentes dieses Künstlers. Das
Hotel, zwei Stockwerke hoch, vereinigt den Reiz edler Bauformen,
mit der vollkommenen Zweckmäßigkeit der inneren Eintheilung. -
Die Facciaden des Gebäudes stellen sich in einer Länge von mehr
als 30 Klaftern dar. Im schönen Verhältnisse dazu steht die Höhe
desselben mit 40 Klaftern. Die große Treppe, mit den beiden Vestibules
gewährt durch die Schönheit und Kühnheit der Ausführung
einen eben so überraschenden, als wirklich großartigen Anblick. -
Der große Hof, mit dem schönen Porticus für die Equipagen stellt
sich ebenfalls sehr schön dar. In der Facciade gegen den Strom,
befindet sich, wie in jener nach der Pfarrgasse, ein Hauptthor. Links
desselben, in der Facciade gegen den Strom, ist der große Concertsaal,
zur Rechten die Wohnung für den Haushofmeister, und den
Cafetier. In der Facciade gegen die Pfarrgasse sind zur Linken des
Thores die Speisesäle, und die Wohnung des Wirthes. Zur Rechten
befindet sich der Billardsaal. - Zwischen diesem, und dem Ballsaale
liegt im Innern, der große runde Speisesaal, und vorwärts
desselben gegen die Ecke des Gebäudes hin, ist das Caffeehaus,
dessen halbrunder Vorsprung, von schönen Säulen getragen einen besonders
freundlichen Aufenthalt mit der Ausficht auf die Brücke,
den Strom, und die Wandelbahn an dessen Ufern gewähren wird.
Die Eintheilung desselben Raumes im ersten und zweiten Stockwerk
hier im Detail zu schildern, dürfte Zweck und Raum des Blattes,
in welchem ich diese Mittheilung gebe, übersteigen, daher hier
nur so viel, daß sich sowol bei den großen, als den kleinen Appartements,
welche sich in diesen Etagen befinden, überall die zweckmäßigste
und bequemste Eintheilung zeigt, daß überall der Raum auf
das verständigste benützt ist, und daß die Verbindungen des Ganzen
auf das sorgfältigste beachtet sind. - Die Küchen, die Stallungen,
die Remisen, die Wohnungen für die Bediensteten des Hauses, und
für die Dienerschaften der Passagiere, die Vorrathskammern, die
Vorrichtungen für die Heizung, die Brunnen, die Gänge, und Verbindungstreppen,
kurz alles ist mit der umsichtigsten Berechnung der
Zweckmäßigkeit angelegt, und geordnet, so daß das Gebäude in allen
Beziehungen seiner Bestimmung vollkommen entsprechend erscheint.
Auch ist zu bemerken, daß, um der Bequemlichkeit der Gäste
in allen Beziehungen zu genügen, auch einige Wohnungen in dem
Hotel mit eigenen Küchen zu vergeben sein werden. Der Bau ist
vollendet, und die Eröffnung des Hotels wird, aller Wahrscheinlichkeit
nach, im Laufe des Monats Mai erfolgen. Da bei der Ausführung
dieses großartigen Unternehmens keine Kosten, und keine
Sorge gespart worden ist, so ist mit Recht vorauszusetzen daß man
auch in der Verwaltung des Etablissements, sowol rücksichtlich der
Bedienung der Passagiere als Wohnparteien, als der Bewirthung
in der Traiterie und dem Caffeehause die beste Vorsorge treffen wird,
denn hievon wird hauptsächlich das Gedeihen des neuen Etablissements
abhängen, welches demselben in jeder Hinficht zu wünschen
ist. Bei der Umsicht und Thätigkeit, welche sich bei der bisherigen
Ausführung kund gab, läßt sich die Verwirklichung dieser Erwartungen
und Ansprüche nicht bezweifeln. - Somit begrüßen denn
die zahlreichen Freunde des schönen Ischls mit Freude die Vollendung
dieses großartigen Hotels, womit einem o allgemein ausgesprochenen
Wunsche derselben begegnet ward. - Umgeben von allem
Comfort, der den gebildeten und reichen Classen der Gesellschaft,
welche die überwiegende Mehrzahl der Besucher des Badeortes bilden,
Bedürfniß geworden, wird nunmehr der Reisende auch hier
um so lieber verweilen, da ihm eine, den vorgerükten Ansprüchen
der Zeit genügende Unterkunft gesichert ist, und Ischl ist jetzt
auch in dieser Hinsicht, gegen die übrigen Badeorte Deutschlands,
und der Monarchie nicht in den Schatten gestellt. F. C. Weidmann.
Freie Stimmen vom 27.6.1929, Seite 8:
Heute vormittags entschlief nach langem, schweren, mit Geduld ertragenem
Leiden unsere innigstgeliebte Mutter, Schwiegermutter, Großmutter
und Tante, Frau
Susanne Gugitz, geb. Martinetti-Isella
Architektens- und Direktors-Witwe
nach Empfang der heiligen Sterbesakramente im 80. Lebensjahre.
Die irdische Hülle der teuren Verblichenen wird Montag, den 24. Juni
1929, um 4 Uhr nachmittags in der Aufbahrungshalle des
Grinzinger Friedhofes
(Endstation Linie 38) feierlich eingesegnet und sodann auf demselben
Friedhofe in der Familiengruft zur ewigen Ruhr bestattet.
Die heilige Seelenmesse wird Montag, den 1. Juli 1929, um 8 Uhr
früh in der
Pfarrkirche zu St. Paul in
Döbling gelesen werden.
Wien, den 21. Juni 1929.
XIX., Pokornygasse 27.
Gottfried u. Gustav Heß
Heinz und Ernst Küchler
Hans und Elisabeth Bierbaum als Enkelkinder.
Marie Heß geb. Gugitz
Antonie Küchler
geb. Gugitz
Josefine Bierbaum
geb. Gugitz als Töchter.
Adolf Heß
Inspektor d. öst. Nationalbank
Ing. Eduard Küchler
General a. D.
Reg.-Rat Robert Bierbaum
Direktor der Hofapotheke
als Schwiegersöhne.
Die Grabstelle befand sich am
St. Marxer Friedhof (
Position 198a).
Am 15.05.1908 erfolgte eine Überführung auf den
Grinzinger Friedhof (Gruppe: 12, Reihe: 4, Nummer: 5).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: www.nikles.net,
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 12.4.1845, Seite 3,
www.wienbibliothek.at,
Wiener Zeitung vom 8.4.1856, Seite 27,
Freie Stimmen vom 27.6.1929, Seite 8.