Person - Anton Ölzelt
Anton Ölzelt Ritter von Newin, auch Anton Ölzelt der Ältere, (* 07.06.1817 in
Inzersdorf;
† 12.10.1875 in
Mauer bei Wien, Bestattungsdatum: 15.10.1875) war ein österreichischer Baumeister und Kunstsammler.
Er war seit 1855 Mitglied des Wiener Männergesangvereins.
Leben: Ölzelt war unter anderem ab 1844 in der südmährischen Stadt Znaim Baumeister.
1846 kehrte er als Stadtbaumeister nach Wien zurück, wo er das Bürgerrecht erhielt.
1850 wurde er zum k.k Hofbaumeister ernannt und im Jahr 1867 erfolgte die Nobilitierung zum Ritter von Nevin.
Ölzelt lebte seit ungefähr 1860 in
Mauer und beteiligte sich dort u. a. am Bau einer Wasserleitung und anderer Einrichtungen,
beispielsweise stiftete er ein Armenhaus. 1864–71 wirkte er als Obmann des Komitees für die Verschönerung des Ortes.
Anton Ölzelt hatte einen Sohn gleichen Namens, der Professor für Philosophie wurde, diesem wurde die 6. Symphonie von Bruckner gewidmet.
Seine Eltern waren Franz Ölzelt (* 27.06.1780 in Allentsgschwendt 18, † 27.08.1821 in Mauer) und Katharina Hofbauer (* 05.08.1784).
Heirat am 29.04.1850 mit Adele Lager in der
Piaristenkirche Maria Treu, * 04.06.1825 in Wieden, † 28.06.1906 in Wien
Kinder:
Anton Josef Hilarus Ritter von Ölzelt von Newin der Jüngere, * 13.01.1854, † 15.02.1925 in 1., Schottengasse 10, Privatgelehrter, verh. mit Amalia Maria von Wieser, * 25.02.1858, † 05.12.1937 (Weinviertel, Unsere Liebe Frau zu den Schotten, Trauungsbuch 1877-1992, Seite 115)
Robert Ölzelt, * 27.03.1857 in Josefstadt, † 29.09.1917 in Schönbichl bei Melk, Heirat mit Rosa Berger am 08.11.1881 in
Altlerchenfeld, * 1860
Alfred Ölzelt Ritter von Newin, * 26.06.1858 in
Hietzing (Bezirksteil), † 22.03.1920 in Tulln Sanatorium, Bestattungsdatum: 24.03.1920 in Tulln
Adele Linderinna Ölzelt, * 24.01.1861 in Währingerstraße 368, † 09.10.1865 in
Mauer
Gedenken:
1875 wurde die Ölzeltgasse im 3. Wiener Gemeindebezirk
Landstraße nach ihm benannt.
Die
Antonshöhe in
Mauer bei Wien wurde nach ihm benannt.
1885 wurde die Ölzeltgasse in der damals noch selbstständigen Gemeinde
Mauer bei Wien (heute Wien 23) nach ihm benannt.
Der Ölzeltpark in
Mauer liegt auf seinem ehemaligen Familiensitz.
Werke:
Entwürfe und Realisierungen in Wien:
1847: Wohnbau in der Josefstädter Straße 57, mit reicher Portalrahmung
1851: Wohnbau in der Margaretenstraße 2 bis 4, frühhistoristische Fassade mit betonten Seitenachsen und sparsamen gotisierendem Dekor
1851: Wohnbau am Rilkeplatz 7, frühhistoristisches Zinshaus mit giebelförmig hochgezogenen Mittelachsen, Dienste mit gotisierendem Blattdekor gerahmt, mit Konsolgesims und Zwerggalerie
1852: Wohnbau in der Praterstraße 39, romantischer Historismus mit starker Betonung des Mittelrisalits durch figurales Dekor
1852–1858: Wohnbauten Am Heumarkt 15 bis 25, einheitliche und durch die Geschlossenheit bemerkenswerte viergeschoßige frühhistoristische Zinshäuser
Vestibül des Wohnbaus in der Wehrgasse 4, 8, 10
Ausführungen in Wien:
1855: Wohnbau Roberthof in der Robertgasse 1, Planung:
August Sicard von Sicardsburg und
Eduard van der Nüll
1856–1860: Einbau von versproßten Fenstern nach einem Entwurf von Franz Sitte in die
Piaristenkirche Maria Treu
Neue Freie Presse vom 15.10.1875, Seite 6 und 7:
Oelzelt's Gemäldesammlung.
Baurath Anton Oelzelt, welcher vorgestern in seiner Villa
in
Mauer starb, war einer der hervorragendsten Kunstfreunde
Wiens, wie denn auch die von ihm in verhältnißmäßig kurzer
Zeit erworbene Sammlung entschieden unter den hiesigen Privat-Galerien
moderner Meister den ersten Rang einnimmt. Oelzelt
ist Sammler im großen Style erst seit der am Schlusse der
Sechziger-Jahre stattgehabten Versteigerung der berühmten
Arthaber'schen Galerie. Damals legte er den eigentlichen Grund
zu der nun so reich ausgestatteten Sammlung. Noch vor wenigen
Jahren waren vornehmlich nur Wiener Meister darin vertreten,
so Dannhauser durch die „Klostersuppe" nnd „Der Prasser",
Waldmüller
durch „Der Weihnachtsabend" und eine Reihe von Schöpfungen
aus der besten Zeit des Meisters; Gauermann,
Pettenkofen
durch mehrere ihrer gelungensten Bilder. Diesen vaterländischen
Charakter hat die Galerie in den letzten Jahren verloren, und sie
ist nun wahrhaft international zu nennen. Nur einem Manne
von so tiefgehender Liebe für die Malerkunst konnte es gelingen,
so rasch eine so gewählte Collection von vorzüglichen Gemälden erster
Meister zusammenzustellen. Oelzelt war ein Mann, dem für ausgezeichnete
Bilder kaum irgend ein Preis zu hoch erschien. Aber
freilich war er keiner von denen, die geneigt sind, jungen Künstlern,
welche eine große Zukunft versprechen, durch Ankauf ihres
Erstlingswerke den Weg zu erleichtern, den sie hinter sich zu
bringen haben, um diese „Zukunft" zn erreichen. „Der ist noch
nicht reif für diese glänzende Gesellschaft," pflegtd er lächelnd mit
einem stolzen Rundblick über seine Sammlung zu sagen,
wenn man ihn auf ein vielversprechendes Talent aufmerksam
machte. Besitzen wollte er nur Werke von Künstlern, die
ihre Lehrjahre hinter sich und einen Weltruf erlangt hatten.
Von Tag zu Tag wurde er schwieriger in seinem Urtheile und
behandelte er den Ankauf eines Bildes ernster; ihm erschien die
Bereicherung seiner Galerie zuletzt als ein Wichtigstes; da wurde wiederholt
gesehen, berathen nnd discutirt, der Preis nur nebenher
berührt, der innere Werth des Gemäldes aber mit umständlichster
Gründlichkeit erwogen. Seine Bilder waren ihm wahrhast ans
Herz gewachsen, sie waren seine Freude und sein Stolz.
Schon als er zu sammeln begann, bewies er einen gesunden
Blick; aber es konnte nicht fehlen, daß sich dieser mehr und
mehr schärfte und er endlich so weit kam, daß ihm Manches, das
er vor Jahren mit Begeisterung erwarb, nicht mehr genügte. Ein
eigentlich schwaches Bild hat er aber nie besessen. Ein Vorzug,
der ihn vor vielen Gemäldesammlern auszeichnete, war, daß er
nicht blos die besten Meister haben wollte, sondern womöglich
das Beste, was diese geleistet. Im Laufe des letzten Sommers,
da er sich einigermaßen von seiner Krankheit, einem schweren
Magenleiden, erholt hatte, war er auf Suche nach einem Theodor
Rousseau; als ihm Jemand ein ganz gutes, kleines Bild dieses
Meisters brachte, meinte er: „Nein, nein, da wart' ich lieber,
das ist kein Rousseau für mich, ich muß etwas haben, das sich
neben dem Walde von Fontainebleau sehen lassen kann."
Auffallend war, daß er kein eigentlich historisches Bild und
auch keinen Studienkopf besaß; er schien für das letztgenannte
Genre keine Empfänglichkeit zu haben; der prächtige „Prete" von
Angeli war ihm wiederholt zum Kaufe angeboten worden,
allein er lehnte ihn immer mit der Bemerkung ab: „Ah, der
malt mir ein Genrebild, was soll mir ein solcher Kopf."
Oelzelt hatte seine Sammlung nicht in separaten Prunkzimmern
aufgestellt, sondern sie schmückte die Zimmer seiner Wohnung
in seinem Hause Nr. 10 der Währingerstraße, nächst dem
ehemaligen
Schottenthor. So lebte er mitten unter seinen Bildern;
in seinem Empfangs- und Rauchzimmer hingen die allerschönsten
Gauermann und
Waldmüller, in seinem Speisezimmer
eines der räumlich größten und wol auch künstlerisch bedeutendsten
Gemälde von Calame: „Nach dem Regen", das er, wenn ich
nicht irre, um 40,000 Francs an sich gebracht.
Im laufenden Jahre hatte Oelzelt außer Defregger's „Letztes
Aufgebot" noch einige höchst werthvolle Bilder erworben. Aus der
Galerie Pösch, deren gute Hälfte bekanntlich Baron Rothschild
angekauft, gingen in seinen Besitz über: Vautier's stimmungsvolles
Gemälde „Nachmittagsruhe", dann von Troyon „Der
Windstoß" und „Gekoppelte Jagdhunde"; namentlich das letztgenannte
Bild ist interessant, da es im Atelier des Königs der
französischen Maler lange Zeit als Stimmgabel diente und erst
nach dessen Tode versteigert wurde. Ich kann es mir nicht versagen,
neben den schon genannten Gemälden noch einige der Hauptbilder
der Sammlung namentlich anzuführen, weil das Verzeichniß
den auch nur einigermaßen mit der zeitgenössischen Kunstgeschichte
Vertrauten einen annähernden Begriff von dem Schatze
an Schönheit gibt, den dieser schlichte Bürger in wenigen Jahren
aufgehäuft; es sind: „Nach dem Gewitter" von A. Achenbach,
«Neapel und der Vesuv" von Oswald Achenbach, „Der Klosterbrand"
von Lessing, „Spielende Kinder" von Knaus, „Ein
schwierige Werbung" von Kurzbauer, „Die Reconvalescente" von
Willems, „Die Heimkehr vom Scheibenschießen" von Seitz, „Der
Alchymist" von Matejko, „Schlafende Nymphen" von Diaz,
„Meeressturm" von Jsabey, „Die Helswand" von [August Wilhelm] Leu.
Makart
ist durch einige koloristisch interessante Deckenbilder vertreten.
Wie man mir erzählt, ist eine Zersplitterung der Galerie
nicht zu befürchten; hoffentlich werden die Söhne dieses so begeisterten
Kunstfreundes auch dafür Sorge tragen, daß sie im Sinne
ihres Gründers, der dafür mehr als eine halbe Million Gulden
aufgewendet, fort und fort bereichert werde.
Die Grabstelle befindet sich am
Friedhof Mauer (MS1).
Quelle: Dieser Text basiert auf dem Artikel
Anton_Ölzelt aus der freien Enzyklopädie
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Liste der Autoren verfügbar.
Bilder: Funke unter der Lizenz CC BY-SA 4.0, Neue Freie Presse vom 15.10.1875, Seite 6 und 7,
A. Dombi (Künstler), "Anton Oelzelt, Ritter v. Newin, Hof- und Stadtbaumeister.", 1874, Wien Museum Inv.-Nr. W 5015, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/466813/),
Matricula Online, Pfarre Mauer, Sterbebuch 1835-1876, Seite 211.