Person - Katharina Sidonia van Aken
Katharina Sidonia van Aken, geb. Freiin Dubsky von Wittenau, † 1862,
Besitzerin einer Menagerie, Physharmonika-Spielerin und Pianistin,
Tochter von
Johann Georg Freiherr Dubsky von Wittenau
(* 1777, † 26.09.1831 in Wien) und Katharina Friesch (* 1778, † 18.03.1830 in Wien).
Zumindest von 1852-1854 wohnte sie in Erdberg Nr. 355 (vermutl. Nähe 3., Obere Bahngasse 2).
1829 heiratete sie Hermann van Aken (* 1797, † 02.12.1834), einem Berater der Tierparks
auf der Pfaueninsel und in
Schönbrunn,
später Besitzer der "Menagerie van Aken".
Hermann van Aken war der jüngste Sohn eines
Menageriebesitzers und Tierhändlers, machte sich wie seine drei Brüder ebenfalls mit einer eigenen Wandermenagerie gemeinsam mit
seiner Schwester Cornelia Wilhelmine Gertrude van Aken selbständig.
(Cornelia heiratete den berühmten französischen Dompteur Henri Martin (1793-1882)).
Die Familie besaß die "Menagerie van Aken", ein Familienunternehmen niederländischer Herkunft,
das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts neben einem Tierhandel mit mehreren Tierschauen
durch Europa reiste.
1832 verlor ihr Ehemann Hermann van Aken in Pilsen fast seinen ganzen Raubkatzenbestand durch Rotz.
1834 stellte er in London eine neue Sammlung zusammen.
Am 2. Dezember 1834 verstarb Hermann van Aken in Hamburg.
Katharina Sidonia van Aken führte die Tierschau noch einige Zeit weiter (Versteigerung am 27.05.1837)
und heiratete schließlich Johann Colloredo-Saalfeld (oder Colloredo-Mansfeld),
einen kaiserlichen Hofrat und Gesandten.
Kinder:
Hermann van Aken, Edler von Quesar, k.k. Oberst d. R. (bis 1879 Oberstleutnant und Kommandant des Feldjäderbatallions Nr. 27,
ab 1880 Kommandant des 66. Reserve-Infanterieregiments), Ruhestand: 01.05.1881, * 14.03.1829 in Prag, † 12.04.1906 in Graz, Schönaugasse 7.
Hermann van Aken hat 2x geheiratet:
18.02.1862 in Wien: Elise de Zanna, * 02.05.1842 in Wien, † 19.02.1869 in Mauer bei Wien.
08.02.1871 in Wien: Olga van Aken, Edle von Quesar, geb. Freiin von Quesar, Obersten-Witwe, * 23.03.1841 in Graz, † 02.06.1912 in Graz, Morellenfeldgasse Nr. 5.
Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 10.12.1834, Seite 4:
Hermann van Aken, der bekannte Löwenbändiger, der uns durch
seine schöne Menagerie, seit einer längeren Reihe von Jahren her, so manchen
Genuß bereitete, ist auf der Rückreise von London, wo er einen sehr bedeutenden
Ankauf von Thieren machte, am 2. December an den Folgen einer Gehirnentzündung in Hamburg gestorben.
Der Humorist vom 31.5.1837, Seite 4:
Bericht über die Licitation der van Aken'schen Menagerie.
Wie es die öffentlichen Blätter und auch wir angekündiget hatten, fand
die Versteigerung der
Katharina van Aken'schen Menagerie auch wirklich am
27. Mai Statt; und der Humorist, welcher früher an seine geehrten Leser zur
Theilnahme an derselben seine Einladung ergehen ließ, hält es nunmehr auch
für seine Pflicht, dieselben von dem Resultate dieses in Wien bisher ganz fremd
gebliebenen Schauspieles, mit gewissenhafter Genauigkeit in Kenntniß zu setzen.
Während es in London und Hamburg zu den alltäglichen Begebenheiten
gehört, daß wilde Bestien öffentlich feil geboten und förmlich zu Markte gebracht
werden, so war dies, in Wien, soweit wir zurück denken können, zum ersten
Male der Fall. Es ist daher natürlich, daß die allgemeine Neugierde unter dem
Publikum in hohem Grade rege werden mußte, dieser öffentlichen Feilbiethung
außerheimatlichen Thiere an den Meistbietenden, als Augenzeuge beizuwohnen.
War es diese Neugierde, oder die freundliche Einladung des Humoristen, die so
viele Menschen zum Besuche jenes Schauspieles anlockte, dieß wollen wir dahin
gestellt sein lassen; — genug, die Bude war gedrängt voll, und Alles sah erwartungvoll
dem Glockenschlage 12 entgegen, mit welchem die Licitation, der
Ankündigung gemäß, beginnen sollte.
Dieser ersehnte Moment kam nun zwar heran, mit ihm aber keineswegs der
Beginn der Licitation, sondern eine lange Explikation der Wärter, welche diese
Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen lassen wollten, ohne mit einer gewissen
Sammlungsbüchse in der Hand, dem Publikum noch ein letztes Lebewohl zu
sagen, worauf sodann das Dau, die neuholländischen Strauße und Känguruh's
vorgeführt, vorgejagt und vorgepeischt wurden, einer der Wärter sich in die
Käfige des zahmen Eisbären und der wirklich staunenswerth abgerichteten gefleckten
Hyäne begab, und diese Proben ihrer wahrhaft seltenen Zahmheit, unter
allgemeinem Beifalls ablegen ließ und zuletzt noch eine allgemeine Fütterung
der Thiere, gleichsam ein Abschiedsmahl Statt fand. Es wurde inzwischen 1 Uhr
als es zur Versteigerung kam. Mit gespannter Neugierde sah man dem ersten
Ausrufe entgegen, der den Spitzberger Wolf getroffen hatte. 40 fl. G.M. war
der Preis, um welchen er feil geboten wurde. Es meldete sich Niemand, jenen
kühnen Reifspringer zu kaufen. Der Ausrufer erhöhte die Summe selbst, zur
Anlockung, auf 50 fl. aber — der Wolf blieb zurück und unverkauft. Ein gleiches
Schicksal hatte der braune Bär, jener wohlbekannte Brummbaß, der um 60 fl.
ausgerufen und durch eigene Steigerung auf 80 fl. getrieben wurde, ungeachtet
er schon während der Fütterung nach alter Gewohnheit des Lärmens genug gemacht
hatte, um zum Kaufe anzulocken. Vergebens sah man sich unter dem
versammelten Publikum nach Licitanten um; denn keine Stimme erschallte,
welche den Ausrufer zu fecundiren geneigt gewesen wäre, außer dem Geheule
der Bestien, welche der Stunde ihrer Trennung bange entgegensahen. Ihre
Stunde hatte aber noch nicht geschlagen: denn so ging es fort und fort, bis an
das letzte Stück, ohne daß auch nur ein einziger Anbot von irgend einer Seite
gemacht worden wäre. Es schien gleichsam, als hätten sich die Thiere verschworen,
in ihrer ungestörten Eintracht fortzuleben. An dieser Theilnahmslosigkeit der
Kauflustigen war aber keinesweges der Mangel an Liebhabern, sondern, wie wir
aus sicherer Quelle verbürgen können, nur der Umstand Schuld, weil es unter
den eben nicht allzuzahlreichen Liebhabern genau bekannt war, daß die feilgebotenen
Thiere nicht unter einem gewissen Preise weggegeben werden sollten, der
ihren Wünschen nicht zusagte. Die vorzüglichsten Thiere, welche als Hauptzierden
in der einstmals weltberühmten Hermann van Akenschen Menagerie glänzten,
wurden am Tage vor der Licitation von Seiner Majestät dem Kaiser für die
Menagerie zu Schönbrunn angekauft; und zwar der prachtvoll männliche Königstiger
um 1200 fl., das Tiger-Weibchen um 1000 fl. — der gezähmte Eisbär
um 1200 fl., der so höchst seltene Lippenbar um 1200 fl. und die beiden neuholländischen
Strauße um 800 fl. G. M.
Frau van Aken wird ihre Menagerie nach diesen Verhältnissen noch einige
Zeit hier öffentlich zur Schau stellen, und zwar in ihrer vollkommenen Integrität,
da Seine Majestäi gestattet haben, die für Schönbrunn angekauften Thiere
so lange in der van Aken'schen Menagerie zu belassen, bis die Dauer der Bewilligung
der öffentlichen Ausstellung derselben abgelaufen ist.
Wiener Zeitung vom 17.2.1852, Seite 3:
Protokoll der 84. Sitzung des Gemeinderathes der k. k. Reichs-Haupt-
und Residenzstadt Wien am 6. Februar [1852], um
5 Uhr Abends, unter dem Vorsitze des Herrn Bürgermeisters
Dr. Ritter v. Seiller:
....
Die Versammlung nimmt diesen Erlaß des Herrn
Statthalters dankend zur Kenntniß und beschließt zu
gleich den Magistrat mit der Durchführung zu beauftragen.
....
4. Gemeinderath Fellner berichtet für die Bausektion:
....
e) Ueber das Gesuch der Frau
Katharina von Aken
um Belassung eines eigenmächtig hergestellten Gartensalettels
in ihrem Hause Nr. 355 in Erdberg. Die
Belassung desselben wird bewilligt und dem Magistrate
aufgetragen, wegen Unterlassung der vorgeschriebenen
Bauanzeige Amt zu handeln.
Tagespost Graz vom 14.4.1906, Seite 2:
Oberst van Aken 's. Wie bereits berichtet, ist
gestern um 7 Uhr früh im Hause Schönaugasse 7 der
Oberst i. R. Herr Hermann van Aken Edler von
Quesar im 77. Lebensjahre gestorben. Er war in
Prag geboren. Zuerst diente er beim 29. Infanterieregiment.
Zum Leutnant 2. Klasse wurde van Aken am
17. August 1848 befördert. Am 1. Juni 1849 wurde
er Leutnant 1. Klasse, am 1. April 1853 Oberleutnant
beim Ingenieur-Geographenkorps. Am 1. Mai 1859
erfolgte seine Beförderung zum Hauptmann 2. Klasse,
am 1. Juli des gleichen Jahres zum Hauptmann 1.
Klasse. Mit 1. April 1860 zum 30. Feldjäger-Bataillon
übersetzt, kam er im nächsten Jahre zum 21., dann
zum 8. und 27. Feldjäger-Bataillon. Am 1. November
1871 wurde er zum Major ernannt. Als solcher
führte er das Kommando des 27. Feldjäger-Bataillons.
Seine Beförderung zum Oberstleutnant erfolgte am
1. Mai 1877, in welcher Eigenschaft er die Okkupation
in Bosnien mitmachte. Im Jahre 1878 wurde er für
besondere tapfere und hervorragende Leistungen während
der Okkupation mit dem Militärverdienstkreuz mit
der Kriegsdekoration ausgezeichnet. In diesem Jahre
erhielt er den Adel mit dem Prädikat „Edler v. Quesar".
Am 6. Juni 1879 wurde er Reservekommandant beim
66. Infanterieregimente und am 1. November 1880
Oberst. Am 1. Mai 1881 trat van Aken in den Ruhestand.
Die Grabstelle befindet sich,
gemeinsam mit ihrem Vater
Johann Georg Freiherr Dubsky von Wittenau,
am
St. Marxer Friedhof (
Position 65b).
Quelle: Text: www.nikles.net, Bilder: Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung) vom 10.12.1834, Seite 4,
Der Humorist vom 31.5.1837, Seite 4,
Wiener Zeitung vom 17.2.1852, Seite 3,
Tagespost Graz vom 14.4.1906, Seite 2,
Tagespost Graz vom 13.2.1886, Seite 16,
Grazer Tagblatt vom 03.6.1912, Seite 4 und gemeinfrei.