Niederösterreich - Deutsch-Wagram
Deutsch-Wagram ist eine Stadtgemeinde mit 9257 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025) im Bezirk Gänserndorf in
Niederösterreich.
Geografie: Deutsch-Wagram liegt unmittelbar an der nordöstlichen Stadtgrenze Wiens, der Nordbahn, sowie der Außenring Schnellstraße.
Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 30,61 km². Davon werden 17,62 km² landwirtschaftlich genutzt. 5,7 Prozent der Fläche sind bewaldet.
Gemeindegliederung: Katastralgemeinden sind:
Deutsch-Wagram (mit dem alten Angerdorf und mit Hagerfeld; die KG schreibt man Deutsch Wagram)
Helmahof (mit der 3. Siedlung)
Stallingerfeld (benannt nach der 1512 verödeten Ortschaft Stallern)
Die Gemeinde bildet eine einzige Ortschaft und hat vier Zählsprengel: Deutsch-Wagram-Zentrum und -Südost für die Stadt selbst und Helmahof-Süd und -Nord.
Deutsch-Wagram gehört zum Gerichtsbezirk Gänserndorf.
Nachbargemeinden:
Pillichsdorf
Gerasdorf bei Wien
Großengersdorf
Bockfließ
Wien
Strasshof an der Nordbahn
Aderklaa
Raasdorf
Markgrafneusiedl
Parbasdorf
Gewässer:
Rußbach
Mühlbach
Seyringer Abzugsgraben (Seyringer Bach)
Marchfeldkanal: Seit Jahrzehnten sinkt der Grundwasserspiegel im Marchfeld. Bereits im 19. Jahrhundert fanden Überlegungen statt, wie diesem Problem begegnet werden kann. Ab 1986 wurde mit dem Bau eines Kanales begonnen, der das Grundwasser mit Donauwasser anreichert. 1995 konnte das Hauptgerinne zwischen
Langenzersdorf und Deutsch-Wagram fertiggestellt werden. Zum
Marchfeldkanalsystem zählen seither der
Marchfeldkanal, der
Rußbach, der Obersiebenbrunner Kanal und der Stempfelbach. Sitz der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal ist Deutsch-Wagram.
Geschichte:
Etymologie: Der Name Wagram leitet sich von wac ‚Woge‘ und ram/rain ‚Grenze‘ („Wogengrenze“) ab. Gemeint ist damit wohl jene Geländestufe, welche Richtung Süden entlang der Parbasdorferstraße verläuft und das Ufer eines inzwischen verschwundenen Donauarmes bildete (ähnlich wie der 50 Kilometer entfernte Höhenzug namens Wagram bei Krems). Die erste schriftliche Nennung des Namens stammt aus der Zeit des österreichischen Interregnums unter König Ottokar II. und findet sich in dem 1258 erstellten Rationarium Austriacum, einem Zehentverzeichnis des Landesfürsten. Den Zusatz Deutsch erhielt Wagram um 1560 zur Unterscheidung vom nahe gelegenen Kroatisch-Wagram, einer nach der Türkeninvasion von 1529 entstandenen kroatischen Siedlung, die sich heute Wagram an der Donau nennt und 1971 von
Eckartsau eingemeindet wurde.
Ursprung: Die Ursprünge von Wagram gehen vermutlich auf die Zeit der Kolonisation im 11. und 12. Jahrhundert zurück. Das einstige Kolonistendorf hatte die typische Form eines Angerdorfes, welche auch heute noch vorhanden ist. Der Anger wird von der heutigen Franz-Mair-Straße und der Rohrergasse eingeschlossen, wurde allerdings im 19. Jahrhundert teilweise verbaut. Die Größe des alten Ortes hat sich über die Jahrhunderte hindurch kaum verändert (1258: 44 Häuser, 1452: 44 Häuser, 1590: 46 Häuser, 1595: 47 Häuser). Bis 1787 stießen zur ursprünglich rein bäuerlichen Bevölkerung einige andere Berufe wie Fleischhauer, Schuster, Bäcker, Weber und Schneider hinzu und die Anzahl der Häuser stieg leicht auf 58.
Durch den Dorfanger floss der
Rußbach, der bis zu seiner endgültigen Regulierung ein recht gefährlicher Bach war. Die alten Wagramer fertigten deshalb Wasserbretter an, die in die Türrahmen der Häuser passten und mit Sandsäcken verstärkt wurden. Trotzdem musste man sich häufig auf die höhergelegene Haide flüchten. 1772 wurde der
Rußbach umgeleitet und fließt seither südwestlich der Ortschaft. Die Bedrohung für den Ort wurde aber erst durch die Regulierung in den Jahren 1899–90 bzw. 1908/09 beseitigt.
Herrschaftszugehörigkeit: Das ursprünglich im landesfürstlichen Besitz befindliche Dorf stand im 14. und 15. Jahrhundert im Besitz der Herren von
Eckartsau, im 15. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Besitz der Herren von Puchaim. Um 1560 bringt Barbara von Puchaim Wagram als Heiratsgut in die Ehe mit Sigmund Graf von Landau ein, welcher es mit der Herrschaft
Süßenbrunn vereinigt. Nachdem sich die Grafen von Landau 1580 zum Protestantismus bekannten, folgt eine kurze evangelische Periode in Wagram. Als Georg und Erasmus von Landau so weit gingen, Kaiser Ferdinand II. die Erbhuldigung zu verweigern, wurden sie in weiterer Folge geächtet, ihre Güter konfisziert und der Verwaltung der Hofkammer unterstellt und sie selbst des Landes verwiesen. Von 1667 bis 1802 übten die Grafen Grundemann von Falkenberg die Grundherrschaft über Deutsch Wagram aus.
Koalitionskriege: Historische Bedeutung gewann der Ort im Jahre 1809 als Schauplatz der Schlacht bei Wagram. 180.000 Soldaten kämpften hier auf französischer Seite unter Napoleon und 120.000 auf österreichischer Seite unter dem Generalissimus Erzherzog Karl, der sein Hauptquartier im heutigen Erzherzog-Carl-Haus nahm.
Eisenbahn: Im Jahre 1835 bestand Wagram noch aus 73 Häusern. Dies änderte sich mit dem Bau der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, der ersten dampfbetriebenen Eisenbahnstrecke Österreichs, rasant. Einerseits wurden 1.500 Eisenbahnarbeiter in zahlreichen Baracken bei Wagram untergebracht, andererseits erschloss die Bahnlinie das Dorf für die Großstadt und Wagram wurde beliebtes Ausflugsziel der Wiener. Innerhalb weniger Monate fuhren 176.000 Personen auf dem neuen am 23. November 1837 eröffneten ersten Teilstück zwischen
Floridsdorf und Deutsch-Wagram.
19. und 20. Jahrhundert: Im Jahre 1929 war Wagram mit 4000 Einwohnern die größte Ortschaft des Marchfeldes und wurde in den Rang einer Marktgemeinde erhoben. Im selben Jahr wurde ein Strandbad eröffnet, welches allerdings wenige Jahre später aufgrund des gesunkenen Grundwasserspiegels wieder geschlossen werden musste.
Im Mai 1945 wurde wegen des nahen Militärflugplatzes ein großes Kontingent sowjetischer Besatzungstruppen in Deutsch-Wagram stationiert. Die Nachkriegszeit war bestimmt vom Zusammenleben mit den Russen.
Die weitere Nachkriegszeit ist geprägt von starkem Bevölkerungswachstum. Im Jahre 1962 ging die Wiener Schnellbahn als Zubringer in die Hauptstadt in Betrieb. Dadurch wurde die Attraktivität für Pendler weiter gesteigert. Mit dem weiteren Bevölkerungswachstum wurde Deutsch-Wagram 1984 zur Stadt erhoben.
Die Bevölkerungsentwicklung von Deutsch-Wagram ist geprägt von einem starken Wachstum, welches auf eine positive Zuwanderungsbilanz zurückzuführen ist. Die Geburtenbilanz war bis zum Jahre 2005 negativ und ist seit 2006 leicht positiv (0,1 %). Der Zuzug ist auf die gute verkehrsmäßige Anbindung an Wien zurückzuführen (Speckgürtel).
Die Wagramer Bevölkerung ist geprägt durch den Zuzug junger Familien. Daher ist der Anteil an über 60-Jährigen mit 18,8 % deutlich niedriger als in Wien. Dementsprechend ist der Anteil an unter 15-Jährigen mit 18,6 % höher (vgl. Wien 14,7 %). Die Akademikerquote liegt mit 5,6 % deutlich unter der von Wien (10,4 %).
Herkunft und Sprache: In Deutsch-Wagram leben zu 92,9 % Österreicher. Die größte Gruppe der Ausländer stellen Staatsbürger von Serbien und Montenegro mit 2,5 %, gefolgt von Türken (0,9 %) und Deutschen (0,7 %). Umgangssprache ist zu 89,2 % Deutsch, gefolgt von Serbisch (2,7 %) und Türkisch (1,3 %).
Religionen: Größte Religionsgemeinschaft ist die Römisch-katholische Kirche, der 66,1 % der Einwohner angehören. 3,0 % sind evangelisch, jeweils 2,8 % bekennen sich zur Orthodoxen Kirche bzw. zum Islam. Ohne religiöses Bekenntnis sind 21,8 % der Einwohner.
Deutsch-Wagram ist Sitz der römisch-katholischen Pfarre Deutsch-Wagram, die auch die benachbarten Orte
Parbasdorf und
Aderklaa umfasst und dem Dekanat Gänserndorf zugeordnet ist. Deutsch-Wagram war schon vor dem 16. Jahrhundert eine Pfarrgemeinde, zunächst als Filiale von Kagran. Aufgrund der großen Entfernung kam sie im Jahre 1640 zur Pfarre
Gerasdorf. Am 22. März 1784 wurde Deutsch-Wagram zu einer eigenständigen Pfarre erhoben. Mit der Erhebung von Deutsch-Wagram zur Stadt im Jahre 1984 wurde die Kirche zur Stadtpfarrkirche erhoben. Schutzpatron ist Johannes der Täufer.
Hauptort der Gemeinde: Stadt Deutsch-Wagram: Gemeindehauptort ist die Stadt Deutsch-Wagram, die auch eine Katastralgemeinde der Stadtgemeinde bildet.
Der Ort befindet sich etwa 15 Kilometer nordöstlich des Zentrums von Wien, 3½ Kilometer außerhalb der Stadtgrenze bei
Süßenbrunn. Die Stadt liegt südlich der Nordbahn vom Russbach ostwärts auf um die 160 m ü. A. Höhe. Sie umfasst um die 1200 Gebäude mit gut 3000 Einwohnern (45 % der Gemeindebevölkerung), die Siedlung Helmahof ist also inzwischen größer. Historisch hat sich der Ort vom Russbachufer weg ausgedehnt.
Zur Katastralgemeinde Deutsch Wagram mit 1.724,7 Hektar (rund 3/4 der Gemeindefläche) gehören auch die Fluren im Nordwesten, Süden und Osten der Gemeinde.
Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Arbeiterwarteraum, Eisenbahnmuseum: Der Arbeiterwarteraum befindet sich westlich von Bahnhof 78 und ist unter der Objekt-ID: 7432 (HERIS-ID: 11347) denkmalgeschützt. Der Arbeiterwarteraum wurde 1908 erbaut und fand später als Eisenbahnmuseum Verwendung.
Aufnahmsgebäude: Das Aufnahmsgebäude des Bahnhofs Deutsch-Wagram nefindet sich am Bahnhof 78 und ist unter der Objekt-ID: 7431 (HERIS-ID: 11346) denkmalgeschützt. Das Aufnahmegebäude des Bahnhofs Deutsch-Wagram wurde 1852 errichtet und zehn Jahre später umgebaut. In den Jahren 1984 bis 1987 wurde die Fassade rekonstruiert.
Denkmal der Schlacht bei Wagram: Das Denkmal gegenüber der Erzherzog Carl-Straße 11 (Objekt-ID: 79679, HERIS-ID: 66771) zum Gedenken an die Schlacht bei Wagram in der Sachsenklemme, der heutigen Erzherzog Carl-Straße, wurde im Jahr 1909 auf Initiative des Postmeisters und Ortschronisten Anton Pfalz geplant, durch Spenden finanziert und von Bildhauer Franz Seifert (1866-1951) entworfen und errichtet. Am 4. Juli 1909 wurde das Denkmal feierlich enthüllt und von Ortspfarrer Ferdinand Pecka geweiht. Anton Pfalz übergab das Denkmal an die Gemeinde Deutsch-Wagram und Bürgermeister Ferdinand Leeb mit dem Auftrag das Denkmal fortan zu schützen und zu pflegen.
Eisenbahnmuseum Deutsch-Wagram: im ehem. Arbeiterwartesaal, errichtet 1908
Erzherzog Carl-Haus, Napoleon- und Stadtmuseum: Das Erzherzog Carl-Haus befindet sich in der Erzherzog Carl-Straße 1 und ist unter der Objekt-ID: 6266 (HERIS-ID: 10213) denkmalgeschützt. Das Haus dient als Museum und Gedächtnisstätte für die Schlacht bei Wagram. Der spätbarocke Bau mit Walmdach wurde als Hauptquartier von Erzherzog Carl im frühen 18. Jahrhundert erbaut.
Jüdischer Friedhof: Der Jüdische Friedhof befindet sich bei der bei Fabrikstraße 6 und ist unter der Objekt-ID: 114988 (HERIS-ID: 98995) denkmalgeschützt. Der jüdische Friedhof ist an drei Seiten vom Betriebsgebiet der Firma Glock umgeben (Betonmauer). Das 1838 m² große Areal, auf dem keine Grabsteine mehr erhalten sind, wurde von den Nationalsozialisten enteignet und diente der Deutschen Reichsbahn als Betriebsgelände. Beim Eingang erinnert ein Gedenkstein an die Toten.
Katholische Pfarrkirche Deutsch-Wagram hl. Johannes der Täufer: Die Pfarrkirche befindet sich bei der Kirchengasse 1 und ist unter der Objekt-ID: 6265 (HERIS-ID: 10212) denkmalgeschützt. Die Kirche wurde als Wehrkirche auf einer Anhöhe des alten Angerdorfes errichtet. Sie ist umgeben von einer Wehrmauer, deren Abschluss nicht mehr erhalten ist. Noch heute sind die Bastionen aus dem Jahre 1671 sichtbar. Das ursprüngliche romanische Langhaus mit Chorquadrat wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet, gotischer Chor und Langhaus entstanden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. 1671 wurde die Kirche barockisiert und nach Westen erweitert. In den Jahren 1956–1958 wurde die Kirche nach Plänen von Architekt Hans Petermair und den hiesigen Baumeistern Johann Christen und Kommerzialrat Michael Vogl wesentlich erweitert und auf ein Fassungsvermögen von 1000 Personen ausgebaut. Die Achse der neuen Kirche steht im rechten Winkel zur Achse der alten Kirche, wobei das Querschiff der neuen Kirche dem abgetragenen Langhaus der alten Kirche entspricht.
Kirchhof: Der Kirchhof befindet sich bei der Kirchengasse 1 und ist unter der Objekt-ID: 6264 (HERIS-ID: 10211) denkmalgeschützt. Der Kirchhof mit Kirche und Pfarrhof ist ein ehemaliger Wehrkirchhof mit Bastionen und Schießscharten, der später als Friedhof genutzt wurde.
Monumentalkapelle 1809, Schlachtendenkmal: Die Monumentalkapelle (Schlachtendenkmal) befindet sich im Sahulka-Park (benannt nach Johann Sahulka), am ehemaligen Friedhof, und ist unter der Objekt-ID: 6267 (HERIS-ID: 10214) denkmalgeschützt. Die Kapelle dient als Gedenkstätte an die Schlacht bei Wagram. Sie wurde von Hugo Freiherr von Tkalcsevich gestiftet, dient als Familiengruft.
Musikschule, ehem. Kindergarten: Die Musikschule befindet sich an der Friedhofallee 2 und ist unter der Objekt-ID: 81217 (HERIS-ID: 68214) denkmalgeschützt. Das zweigeschoßige Gebäude wurde 1928 erbaut. Über dem vorgezogenen Steinportal die Skulpturen zweier spielender Kinder.
Wasserstation (Wasserturm): Die Wasserstation befindet sich am Bahnhof 77 in Deutsch Wagram und ist unter der Objekt-ID: 7430 (HERIS-ID: 11345) denkmalgeschützt. Die älteste erhaltene Wasserstation Österreichs wurde 1846 erbaut. Das dreigeschoßige Gebäude mit eingeschoßigen Flügeln und einem achteckigen Dampfschornstein an der Rückseite hat eine schlichte Putzgliederung mit Eckquaderung.
Museen:
Napoleon- und Stadtmuseum Deutsch-Wagram im „Erzherzog Carl-Haus“, einem denkmalgeschützten Bürgerhaus aus dem frühen 18. Jahrhundert.
Eisenbahnmuseum am Bahnhof Deutsch Wagram im alten Arbeiterwarteraum, errichtet 1908.
Wirtschaft und Infrastruktur: Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 260, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 27.
Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 3164, während 2591 Personen auspendelten, davon fast 2000 nach Wien. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 47,94 Prozent.
Unternehmen:
Glock: Hersteller von Handfeuerwaffen seit 1963, das knapp ein Viertel der örtlichen Kommunalsteuer entrichtet.
Verkehr:
Deutsch-Wagram ist durch die B8 Angerner Straße mit Wien ebenso wie mit der Bezirkshauptstadt Gänserndorf verbunden. Hier quert die L6
Leopoldsdorf im Marchfeld – Paasdorf, die L13 führt über Helmahof nach Bockfließ (L12 nach Gänserndorf). Südwärts führt noch die L3019 nach
Raasdorf, die L3023 passiert
Aderklaa (B8) –
Parbasdorf (L6).
Auch die Nordbahn verbindet mit Wien und Gänserndorf. Im Ort gibt es mit dem Bahnhof Deutsch Wagram, der 1908 nur Wagram hieß, auf Kilometer 18,2 der Nordbahn und der Haltestelle Helmahof auf Kilometer 20,8 zwei Bahnstationen. Es bestehen auf der S1 halbstündliche S-Bahn-Verbindungen nach Wien und Gänserndorf. Der Bahnhof besitzt mit dem Hausbahnsteig (1) und dem Mittelbahnsteig (2/3) zwei Bahnsteige sowie drei Bahnsteigkanten. Am Bahnhofsvorplatz halten Regionalbusse.
Von November 2012 bis Juni 2019 verkehrte ein Stadtbus des Vereins StadtBus – Deutsch-Wagram im Ortsgebiet. Die Mitfahrt war nur als Vereinsmitglied erlaubt.
Im Zuge des Regionenrings würde hier südlich des Orts die S8 Marchfeld Schnellstraße verlaufen, mit einem Knoten Deutsch-Wagram zur verlängerten S1 Wiener Außenring Schnellstraße südlich
Aderklaa und einer Anschlussstelle an die L6 bei
Parbasdorf und der Anschlussstelle Strasshof am Ostrand der Gemeinde. Diese Ausbauten sind bisher nur im Planungsstadium. Im September 2021 hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass das Straßenbauprojekt keine Genehmigung erhält. Das Urteil umfasst 232 Seiten und beinhaltet, dass die Behörde eine fundierte Alternativenprüfung für verschiedene andere Verkehrsmöglichkeiten nachholen muss.
Bildung:
Schulzentrum Deutsch-Wagram: Neben einer Volksschule und einer Hauptschule/Mittelschule beherbergt Deutsch-Wagram seit 2007 ein Oberstufenrealgymnasium (BORG Deutsch-Wagram) mit den Schwerpunkten Instrumentalunterricht, Bildnerisches Gestalten und Werken oder Sport, welches bis August 2011 als Privatgymnasium der Stadtgemeinde geführt wurde. Zur gleichen Zeit konnte die Schule in einen auf modernem und technisch zeitgemäßem Stand stehenden Neubau ziehen.
Die Volkshochschule bietet regelmäßige Kurse an.
Weiters ist in Wagram eine Musikschule (MS Deutsch-Wagram) ansässig.
Die NÖ Landesakademie unterhält in Deutsch-Wagram das
niederösterreichische Sprachkompetenzzentrum, welches als Informationsdrehscheibe und Servicestelle für Sprachdienstleistungen in den Sprachen Tschechisch und Slowakisch fungiert.
Feuerwehr: Seit 1883 gibt es auch eine Freiwillige Feuerwehr in Deutsch-Wagram. Diese ist seit 1996 in der Jakob Grünwald-Gasse 2 im neuen Feuerwehrhaus untergebracht. Aktuell (Stand Juli 2021) sind 82 Männer und Frauen als aktive Mannschaft bei der Feuerwehr im Einsatz. Neben einem jährlichen Feuerwehrfest im Juni gibt es regelmäßige Veranstaltungen, wie die Blutspendeaktion (vierteljährlich), der Blaulichttag in Zusammenarbeit mit Polizei und Rettung, die Löschvorführungen sowie das Friedenslicht zu Weihnachten.
Sport:
Fußball: Im Ortsgebiet befinden sich 2 Fußballplätze. Ein Platz ist Teil des Schulsportgeländes an der Franz-Schubert-Straße. Der zweite Platz (Stadion) befindet sich im sogenannten Spartawald an der Angernerstrasse. Die Anlage verfügt über eine Tribüne und ein Kantinengebäude mit Sanitäranlagen. Sie wird von dem 1923 gegründeten ATSV Sparta genutzt. Die Kampfmannschaft des Vereins spielt derzeit in der 1. Klasse Nord. Ein Fußballtrainingsplatz befindet sich in der Adalbert-Stifter-Gasse im Ortsteil Helmahof.
Tennis: Der 1964 gegründete Tennisclub Deutsch-Wagram verfügt über 6 Sandplätze und 2 Hallenplätze. Diese wurden in den 1960er Jahren in Eigenregie auf dem Gelände des ehemaligen Strandbades errichtet. Der Verein kann eine Reihe sportlicher Erfolge aufweisen. Die Mannschaft spielte in mehreren Saisonen in der höchsten Spielklasse.
Basketball: 1964 wurde die Sektion Basketball der Union Deutsch-Wagram gegründet. Von den Piccolinos bis zur Bundesliga spielen heute 12 Basketballteams für die UDW Alligators in den unterschiedlichsten Alters- und Leistungsklassen.
Politik:
Bürgermeister:
1850–1860: Josef Wieland
1860–1864: Franz Wald
1864–1867: Franz Quirgst
1867–1876: Ferdinand Hager
1876–1879: Franz Mayer
1879–1888: Franz Schlederer
1888–1902: Anton Quirgst
1902–1909: Michael Wieland
1909–1914: Ferdinand Leeb
1914–1919: Franz Wieland
1919–1922: Leopold Bauer
1922–1924: Franz Deußner
1924–1928: Paul Schilder
1928–1930: Heinrich Widmayer
1930–1934: Anton Poppe
1934–1938: Josef Wittmann
1938–1945: Gustav Hettinger (1939–1944 Militärdienst)
1939–1941: Rudolf Puchner
1941–1944: Josef Emmerich Simkovics
1944–1945: Gustav Hettinger
1945–1962: Karl Stibernitz (SPÖ)
1962–1982: Otto Hübner (SPÖ)
1982–1998: Hans Muzik (SPÖ)
1998–2001: Rudolf Melzer (SPÖ)
2001–2005: Walter Wimberger (SPÖ)
2005–2021: Friedrich Quirgst (ÖVP)
2021–2025: Ulla Mühl-Hittinger (ÖVP)
seit 2025; Markus Mentl-Weigl (ÖVP)
Wappen: Blasonierung: „Ein von Gelb auf Blau schräglinks geteilter Schild, belegt mit einer grünen, aus einem Rasen emporwachsenden Ähre, die rechts von einem silbernen Pflugmesser und links von einer silbernen Pflugschar begleitet wird.“
Das Wagramer Wappen wurde erstmals im Jahre 1810 zur Bekräftigung eines Zehent-Pacht-Vertrages mit der Herrschaft
Süßenbrunn verwendet.
Gemeindepartnerschaften:
seit ? Calheta de São Miguel (Kap Verde, Insel Santiago)
seit ? Gbely (Stadt im nördlichen Westen der Slowakei)
Persönlichkeiten:
Ehrenbürger:
Johann Faimann (1881), Stationsvorstand d. k.k. Ferd. Nordbahn
Johann Mayer (1907), Landeshauptmann von
Niederösterreich
Karl Heilinger (1911), Unternehmer (Kunstdünger- und Schwefelsäurefabrik „Johann Heilinger & Co.“, Aktiengesellschaft).
Ottokar Weyrich (1915), Schuldirektor
Eduard Erb-Rudtorfer (1915), Bezirkshauptmann
Josef Kirschner (1923), Direktor der I. Eisenbahnwagonleihanstalt
Karl Buresch (1928), Landeshauptmann, Bundeskanzler
Franz Krischke (1930), Volksschuldirektor
Karl Renner (1930), Bundespräsident
Paul Schilder (1931), Bürgermeister
Ferdinand Pecka (1933), Dechant und Pfarrer
Alois Hofbauer (1933), Vizebürgermeister
Norbert Kienzl (1938), Gemeindearzt
Franz Wieland (1952), Bezirksfeuerwehrkommandant, Gründer der Lagerhausgenossenschaft
Karl Wiesinger (1958), Hauptschuldirektor
Karl Stibernitz (1962), Bürgermeister
Otto Hübner (1999), Bürgermeister
Hans Muzik (1999), Bürgermeister, Landtagsabgeordneter
Josef Bonet (2008), Pfarrer
Gerhard Bocek (2020), Gastwirt
Persönlichkeiten, die in Deutsch-Wagram geboren wurden:
Leopold von Jedina-Palombini (1849–1924), Vizeadmiral der k.u.k. Kriegsmarine und Reiseschriftsteller
Johann Sahulka (1857–1927), Wissenschafter
Johann Mayer (1858–1941), Müller, Politiker und Landeshauptmann von
Niederösterreich
Edgar Weyrich (1878–1951), Pädagoge, Regierungsrat, Bezirksschulinspektor und Dozent am Pädagogischen Institut der Stadt Wien; zudem Autor von Werken zur Wiener Bezirksgeschichte, u. a. Der politische Bezirk
Floridsdorf-Umgebung. Ein Heimatbuch (1925).
Anton Pfalz (1885–1958), Sprachwissenschaftler
Manfred Schilder (* 1942), Musikpädagoge
Thomas Forstner (* 1969), Musiker
Persönlichkeiten, die in Verbindung mit der Stadt stehen/standen:
Erzherzog Carl (1771–1847), österreichischer Feldherr; hatte vom 3. Juni bis 6. Juli 1809 vor und während der Schlacht bei Wagram sein Hauptquartier im heutigen Erzherzog Carl-Haus, dem heutigen Napoleon- und Stadtmuseum Deutsch-Wagram
Louis-Alexandre Berthier (1753–1815), von Napoleon Bonaparte zum französischen Prince de Wagram ernannt; der Titel ging später an seinen Sohn Napoléon Alexandre Berthier, seinen Enkel Louis Philippe Marie Alexandre Berthier und seinen Urenkel Alexandre Louis Philippe Marie Berthier über
Karl August Varnhagen von Ense (1785–1858), deutscher Chronist, Schriftsteller und Diplomat; trat 1809 in österreichische Militärdienste, wurde bei der Schlacht bei Wagram verwundet und verfasste später die Schrift Die Schlacht von Deutsch-Wagram am 5. und 6. Juli 1809
Daniel Ritter von Managetta und Lerchenau (1765–1831), ehemaliger Herr auf Schloss Würnitz; war von 1808 bis 1817 gemeinsam mit seiner Ehefrau Theresia Edle von Managetta und Lerchenau Besitzer des heutigen Erzherzog Carl-Hauses in Deutsch-Wagram
Ignaz Weißenberger (1782–1839), Wiener Kaffeesieder und Regimentskommandant des 2. Wiener Bürger-Regiments; errichtete 1837 am Bahnhof Deutsch-Wagram die erste Bahnhofsrestauration an der Nordbahnstrecke Wien Nordbahnhof–Deutsch-Wagram und betrieb sie bis zu seinem Tod. Seine Witwe Anna Weißenberger, geb. Sulzer, und sein Sohn Leopold führten das Unternehmen weiter und eröffneten 1839 auch im Wiener Nordbahnhof eine Restauration, die bis nach 1863 bestand
Hugo Freiherr von Tkalcsevich (1804–1871), Kommandant der Militär-Polizeiwache in Wien und Titular-Hauptmann; stiftete die 1859 zum 50-jährigen Gedenken an die Schlacht bei Wagram errichtete Monumentalkapelle Deutsch-Wagram, die als erstes Denkmal zur Schlacht bei Wagram gilt
Anton Pfalz (1861–1919), Postmeister, Gemeinderat, Autor, erster Ortschronist von Deutsch-Wagram und Gründer des Denkmals der Schlacht bei Wagram
Rudolf Buchner (1894–1962), Maler
Guido Wieland (1906–1993), Theater- und Filmschauspieler
Otto Schilder (1907–1985), Schuldirektor, Historiker, Chronist und Gründer des Heimatmuseums, heute Napoleonmuseum, Stadtmuseum und Eisenbahnmuseum in Deutsch-Wagram
Günter Haiden (1926–2004), Bundesminister
Gaston Glock (1929–2023), Fabrikant
Leopold Grausam jun. (1946–2010), Bildhauer und Steinmetzmeister
Norbert Schnedl (* 1960), Gewerkschafter
Gabriela Hegedüs (* 1975), Schauspielerin
Jürgen Melzer (* 1981), Tennisspieler
Gerald Melzer (* 1990), Tennisspieler
Literatur:
Manfred Groß: Bewegende Geschichte. Selbstverlag der Gemeinde, Deutsch-Wagram 2009, ISBN 978-3-200-01592-0.
Anton Pfalz: Geschichte der Ortsgemeinde Deutsch-Wagram. Deutsch-Wagram 1912.
Gerhard Radvan: 200 Jahre Deutsch-Wagram. Band 1. Selbstverlag der Gemeinde, Deutsch-Wagram 1994.
Otto Schilder: Geschichte der Marktgemeinde Deutsch-Wagram. Selbstverlag der Gemeinde, Deutsch-Wagram 1959.
Otto Schilder: Deutsch-Wagram Gegenwart und Vergangenheit. Selbstverlag der Gemeinde, Deutsch-Wagram 1979.
Otto Schilder: Deutsch-Wagram Vom Angerdorf zur Stadtgemeinde. Gewerbe, Handel und Industrie Deutsch-Wagram, Deutsch-Wagram 1984.
Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten etc. etc., topographisch-statistisch-genealogisch-historisch bearbeitet und nach den bestehenden vier Kreis-Vierteln [alphabetisch] gereiht. [Teil:] Viertel unterm Manhartsberg. 7 von 34 Bänden. 7. Band: Sebarn bis Zwingendorf. Mechitaristen, Wien 1835, S. 138 (Wagram (Deutsch-) – Internet Archive; mit einem Nachtrag zum 6. Band: Schloßhof; c) Sebarn).
Quelle: Dieser Text basiert auf dem Artikel
Deutsch-Wagram aus der freien Enzyklopädie
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Bilder: www.nikles.net, Christian Matula (
Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram).